Die beste App ihres Fachs? – Productive im Test

Schaut man sich auf den Webseiten von Produktivitätsexperten und Personal Trainern um, lässt sich ein wiederkehrendes Muster erkennen. So viele unterschiedliche Meinungen in diesem Bereich auch kursieren, in einem scheinen sich alle einig zu sein: Routinen sind wichtig. Die Überlegung dahinter ist erstaunlich simpel. Wenn Tätigkeiten erst einmal zur Routine werden, kostet ihre Ausübung irgendwann keine Überwindungskraft mehr und läuft fast von selbst ab. Sobald das Aufräumen des Schreibtisches erst einmal seinen festen Platz am Ende des Arbeitstages eingenommen hat, muss man sich nicht jedes mal zwingen, den Arbeitsplatz in einem vorzeigbaren Zustand zu hinterlassen.

Routinen – Der Schlüssel zur Produktivität?

Eine Übersicht über alle Routinen des Tages.

Der Schlüssel zu einer höheren Produktivität – darin sind sich die Produktivitätstrainer dieser Welt weitgehend einig – besteht nicht in einer Herkulesaufgabe, sondern in vielen kleinen, dafür aber regelmäßigen Schritten. Einziges Problem: Diese Strategie ist nicht ganz so einfach, wie sie vielleicht klingen mag. Regelmäßigkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen sind die bösen Wörter, die im Zusammenhang mit dem Aufbau einer erfolgreichen Routine oft fallen. Denn fast immer haben mit der Routine konkurrierende Tätigkeiten den Vorteil, deutlich bequemer zu sein. Wer räumt schon gerne seinen Schreibtisch auf, wenn die unschlagbare Kombination aus Couch und Netflix nur ein paar Meter entfernt wartet?

Dabei hat vermutlich jeder in seinem Leben bewusst oder unbewusst eine ganze Reihe an Routinen aufgebaut. Wer wegen fehlender Zeit jeden Abend den Pizzaboten für einen kochen lässt, folgt auch einer Routine – nur eben keiner besonders gesunden. An dieser Stelle macht sich übrigens auch eine weitere Eigenschaft der Routinen bemerkbar: Man wird sie nur schwer wieder los. Gerade gegen Ende des Jahres tauchen Routinen plötzlich reihenweise in Form von guten Vorsätzen für die nächsten zwölf Monate auf. Pläne, weniger Süßes zu essen oder mehr Sport zu treiben basieren im Endeffekt genau auf solchen wiederkehrenden Aufgaben.

Die Vorschusslorbeeren

Im AppStore finden sich zahlreiche Apps, die den Nutzer beim Aufbau einer Routine unterstützen sollen. Eine von ihnen ist Productive, die vom (empfehlenswerten) englischsprachigen Blog „The sweet Setup“ kürzlich zur besten App ihres Fachs erhoben wurde. Productive ging also nicht ganz ohne Vorschusslorbeeren in die Testphase. Ob das Programm den Titel der besten App ihres Genres zu recht trägt, lest ihr in diesem Testbericht.

Irgendwann im Laufe der Entwicklung haben sich die Macher wohl die App Clear runtergelassen und beschlossen, das Bedienkonzeot nahezu eins zu eins zu übernehmen. Es ist vielleicht das beste, was der App passieren konnte. Sie nutzt den Touchscreen perfekt aus und schafft es so, mit wenig Buttons und anderen Bedienelementen auszukommen. Eine neue Routine wird durch ein simples Runterziehen erstellt. Das Abhaken einer Aufgabe funktioniert über einen Wisch nach rechts, während diese durch ein wischen in die entgegengesetzte Richtung übersprungen werden kann.

 

Keine Strafe für überfällige Aufgaben

Bestraft wird der Nutzer für das Überspringen einer Routine im Übrigen nicht direkt. Eine aufgeschobene Aufgabe bleibt ebenso wie die Erledigten für den Rest des Tages ausgegraut auf dem Startbildschirm stehen. Die App ermahnt bei ersten Mal immerhin, Routinen nur aus gutem Grund zu überspringen, doch schon am nächsten Morgen scheint sie dem Nutzer den Ausrutscher verziehen zu haben. Anders als bei klassischen ToDo-Listen führt die ausgefallene Jogging-Runde des Vortages nicht zu einem, womöglich noch rot eingefärbten, „überfällig“, das anstelle des Fälligkeitsdatums auftaucht.

Trotz dem simplen Aufbaus gibt sich Productive bei den Routinen erstaunlich detailverliebt. Jede von ihnen kann entweder selber erstellt oder aus den vielen kategorisierten Vorschlägen ausgewählt werden. In Kategorien von Gesundheit über Fitness bis hin zu Hobbys schlägt die App eine ganze Reihe an möglichen Routinen vor. Dazu wird jede Aufgabe mit einem Icon versehen, dessen Farbe sich dem eigenen Geschmack anpassen lässt. Routinen können als täglich, wöchentlich oder monatlich ausstehend definiert werden, wobei sich bestimmte Tage oder Wochen nach Wunsch ausnehmen lassen. Schließlich bietet Productive noch die Möglichkeit, eine Tageszeit festzulegen, zu der die Routine bevorzugt stattfinden soll.

Minimalismus als Design-Philisophie

Überblick über die möglichen Einstellungen.

Optisch ist Productive ähnlich minimalistisch wie das mehr oder weniger offensichtliche Vorbild Clear. Die bunten Icons und die weiße Schrift heben sich angenehm vom dunkelgrauen Hintergrund ab. Während die Farbe der kleinen Bildchen dafür sorgt, dass sich die unterschiedlichen Routinen auf einen Blick leicht unterscheiden lassen, werden alle Aufgaben, die erst später am Tag anstehen, im Startbildschirm konsequent ausgeblendet. Der Fokus des Nutzers bliebt so auf dem, was gerade wichtig ist. Ein Feature, dass die ein oder andere populäre ToDo-Liste im AppStore gerne übernehmen könnte. In der Übersicht über alle Routinen des Tages sorgen die dünne hellgraue Schrift und feine Striche für eine klare Trennung der Aufgaben. Die App folgt so einem konsequenten optischen Konzept, dass ihre Funktionalität gut unterstützt.

Die kostenlose Version ist auf maximal fünf Routinen zur Zeit beschränkt; und auch die Übersicht über die Statistiken ist den zahlenden Kunden vorbehalten. Diese Restriktionen machen die Grundversion eher zu einer Demo als zu einer vollwertigen App. Wer Productive ernsthaft nutzen will, kommt um die Premium-Version nicht wirklich herum. Der gesamte Funktionsumfang kann für einmalig 3,99 Euro freigeschaltet werden – ein durchaus fairer Preis für eine durchdachte und gut designte App.

Fazit

Natürlich ließe sich das Konzept auch mit nahezu jeder jeder Listen-App umsetzen, die der AppStore hergibt. So könnten Routinen zusammen mit den „normalen“ Aufgaben des Tages in einer App gesammelt werden. Andersrum eignet sich Productive – anders als der Name vielleicht andeutet, nicht wirklich als klassischer Taskmanager. Dafür fehlen einfach zu viele Funktionen, die von der Konkurrenz um Wunderlist, Todoist, Remember the Milk oder Things schon lange integriert wurden. Im Endeffekt gilt auch für diese App, was für jedes Tool dieser Art gilt: Es kommt auf die Einstellung des Nutzers gegenüber seiner Arbeit an. Programme können keine großen Veränderungen im Alleingang herbeiführen, sondern lediglich unterstützen. Aber zumindest darin ist Productive sehr gut.

Productive - To-Do Liste
Productive - To-Do Liste
Entwickler: Apalon Apps
Preis: Kostenlos+