Zeiterfassung für den professionellen Nutzer – Taptile im Test

Wir leben in einer Zeit der Selbstkontrolle. Wir tracken unsere Läufe, kontrollieren unseren Schlaf, zählen unsere Schritte, behalten unsere Ausgaben im Blick – und erfassen unsere Arbeitszeit. Zeiterfassung ist inzwischen nicht nur für nach Stunden abrechnende Freiberufler ein Thema. Auch Arbeitnehmer, die wissen wollen, wie viel Zeit sie eigentlich welchen Aufgaben widmen, erfassen diese immer öfter. Das Wissen darüber, wie man seine circa acht Stunden Arbeit pro Tag genau einsetzt, kann in einer von Schlagwörtern wie Produktivität und Effizienz geprägten Arbeitswelt ein entscheidender Vorteil sein. Schließlich kennen nicht nur Freelancer den Zustand, von morgens bis abends am Schreibtisch zu sitzen, nur um am Ende keine Ahnung zu haben, womit sie den lieben langen Tag eigentlich verbracht haben. Dies kann nicht nur demotivierend wirken, sondern im Extremfall auch dazu führen, dass der Fokus für das wirklich Wichtige mit der Zeit verloren geht.

In den Stores von Apple und Google finden sich einige Programme, die Abhilfe schaffen sollen. Wie bei so vielen Apps, die unter der Kategorie „Produktivität“ zusammengefasst werden, reicht auch bei ihnen das Spektrum von eher einfach bis recht umfangreich. „Taptile Zeiterfassung“, um die es in diesem Testbericht gehen soll, reiht sich eindeutig zwischen Letzteren ein. Die App richtet sich an den professionellen Anwender – und lässt an dieser Bestimmung zu keiner Zeit irgendeinen Zweifel. Zahlreiche auf Freiberufler ausgerichtet Funktionen, die das Abrechnen nach Stunden erleichtern sollen, zeugen von dieser Absicht. Der einstellbare Stundensatz ist dabei die einzige Funktion, die auch in der kostenlosen Version der App nutzbar ist. Ein Budget sowie Zuschläge und Abzüge sind nur in der Pro-Version enthalten, die einmalig 9,99 Euro kostet.

Aufdringliche Werbung, gut durchdachte Struktur

Diese entfernt zudem die recht häufige und ebenso aufdringliche Werbung (manchmal zeigt die App sogar Videos, die mit Ton abgespielt werden), die immer zusammen mit dem Hinweis serviert wird, sich doch die Vollversion zuzulegen. Wirklich dezent ist die Werbung für das eigene Produkt dabei nicht. Sie ist vielmehr eine ins Gesicht gebrüllte Kaufaufforderung, die sagen will: „Leg dir gefälligst die Vollversion zu, wenn du unsere App vernünftig nutzen willst!“ An dem Ziel, mit seiner Arbeit auch Geld verdienen zu wollen, ist selbstverständlich nichts Verwerfliches.

Allerdings stellt sich die Frage, wieso sich Entwickler Taptile dann überhaupt für diesen Weg der Monetarisierung entschied. Eine zeitlich begrenzte Testversion hätte den gleichen Effekt erzielt, ohne das eigene Produkt durch Anzeigen und Eigenwerbung dermaßen abzuwerten. Doch selbst die gekaufte Version entfaltet ihr volles Potential erst in Kombination mit der dazugehörigen App für den Mac, die mit 24,99 Euro zur Buche schlägt. Diese kann im Grunde nicht viel mehr als ihr Äquivalent fürs iPhone, breitet ihre Funktionen dafür aber über eine deutlich größere Fläche aus. Synchronisiert werden die Daten selbstverständlich über iCloud. Mit einer ebenfalls im Umfang beschränkten Liteversion kann auch die Mac-App vor dem Kauf getestet werden.

„Taptile Zeiterfassung“ verfügt über eine einfache, aber dennoch gut durchdachte Struktur. Jedem Auftraggeber können verschiedene Aufträge zugeordnet werden, welche wiederum aus mehreren Aufgaben bestehen. Diese Einteilung ermöglicht ein hohes Maß an Flexibilität: Ein Auftraggeber ist nicht an einen Stundensatz gebunden, was vor allem dann praktisch ist, wenn dieser Projekte unterschiedlich vergütet. Wie so mancher Konkurrent bietet die App eine Stoppuhr, die Arbeitszeit im Hintergrund erfasst. In der Kalenderansicht kann ein solcher Timer einfach durch ein Tippen auf den entsprechenden Button hinzugefügt werden. Gibt man einen Stundensatz an, zeigt Taptile selbstverständlich den in dieser Zeit erzielten Umsatz zusammen mit allen anderen relevanten Daten an.

Funktionen, verpackt in eine ansehnliche Benutzeroberfläche

Diagramme, die einen Überblick über die Verteilung der Stunden auf Auftraggeber, Aufträge, Aufgaben oder Tage geben, sind ebenfalls an Bord. Wer nach Optimierungspotential sucht oder lediglich einen schnellen Überblick darüber gewinnen will, für welche Aufgaben er wieviel Zeit aufwendet, wird in dieser Sektion der App fündig. Der Export von verschiedenen Übersichten als CSV-Datei ist ebenfalls möglich. Auch hier ergeben sich einige Möglichkeiten: Eine Übersicht über die Verteilung der Arbeitszeit auf Monat, Auftraggeber, Auftrag oder sogar einzelne Aufgabe kann hier als Datei für Excel exportiert werden. Auch Numbers von Apple – im Grunde eine coolere Version von Microsofts Tabellen-Software – unterstützt dieses Dateiformat. Eine durch diese Funktion erstellte Übersicht eignet sich als Grundlage für Rechnungen, für die der Entwickler im Übrigen eine eigene App anbietet.

Verpackt werden all diese Funktionen in einer durchaus ansehnlichen Benutzeroberfläche. Trotz des Funktionsumfangs wirkt die App nicht überladen und kann problemlos ohne große Erklärungen oder ewiges Suchen nach der richtigen Funktion genutzt werden – für ein Programm dieser Art nie ein schlechtes Zeichen. Die Farbe, die abgesehen von einigen weißen Elementen die App dominiert, kann selbst in der kostenlosen Version vom Nutzer gewählt werden. Von Evernote-Grün über Wunderlist-Orange bis hin zu Todoist-Rot sind einige bereits in anderen populären Apps genutzte Farben dabei. Selbst ein solch geringes Maß an möglicher Anpassung der Benutzeroberfläche an den eigenen Geschmack ist selten und hebt die App von der Konkurrenz ab.

Fazit

Zu Beginn des Fazits muss eines klargestellt werden: „Taptile Zeiterfassung“ ist nur in der Premiumversion wirklich nutzbar und entfaltet ihr volles Potential erst im Verbund mit ihrem Äquivalent für den Mac. Die häufige und teilweise aufdringliche Werbung in Kombination mit dem eingeschränkten Funktionsumfang macht die Arbeit mit der App alles andere als angenehm. In der Bezahlversion bietet Taptile aber ein gelungenes Programm, dem der Spagat zwischen Funktionsumfang, einfacher Nutzbarkeit und gutem Design gelingt.

Funktionen wie ein einstellbares Budget oder die Möglichkeit, Zuschläge und Abzüge einzustellen, zeigen, dass der Entwickler den professionellen Anwender als Kunden gewinnen möchte. Trotz der Stoppuhr, die Arbeitszeit im Hintergrund erfasst, hält sich der Mehrwert für alle Nutzer in Grenzen, denen es weniger um das Finanzielle, als vielmehr um die Arbeitszeit an sich geht. Für diese bietet die App schlicht zu viele Funktionen, die der Nutzung im Wege stehen könnten. Wer einfach nur seine Zeit erfassen möchte, ohne auf Grundlage der Daten Rechnungen schreiben zu müssen, sollte sich eher nach einer Alternative umsehen. Die kostenlose App „Hours“ arbeitet beispielsweise mit Timern und stellt die Arbeitszeit übersichtlich als Zeitstrahl dar.