Aus dem Tagebuch eines Neu-Bloggers #2: Bloggen ist Arbeit

Knapp zwei Monate bin ich nun schon mit meinem eigenen kleinen Blog im Internet unterwegs. Und wenn es eines gibt, das mir in dieser Zeit besonders bewusst geworden ist, dann ist es folgende Feststellung: Bloggen ist verdammt nochmal Arbeit. Natürlich kam diese Erkenntnis alles andere als überraschend. Ich erinnere mich noch an eine Folge des inzwischen leider eingestellten „Neuland“ Podcasts mit den beiden Techbloggern Sascha Pallenberg und Caschy, in welcher letzterer fast beiläufig erwähnte, an einigen Tagen bis zu 14 Stunden an seinem Schreibtisch zu sitzen. Auch Matthias Petrat, Journalist und Kolumnist der „Apfelpage“,  schreibt auf Twitter regelmäßig, wie viele Stunden er heute an seinen Kolumnen, Testberichten und Buch-Updates gearbeitet hat. Einstellig scheint diese Zahl nur selten zu sein.

Und schließlich wusste ich auch selbst von meiner Arbeit am PXLMAG, wie viel Aufwand hinter Inhalten stecken kann, die nicht zwischen Tagesschau und Wetterkarte zusammengeschustert wurden. Alle für einen Artikel notwendigen Schritte – von der ersten Notiz in OneNote bis zum Klick auf den „Veröffentlichen“-Knopf in WordPress –  können schon einmal eine Netto-Arbeitszeit von mehreren Stunden in Anspruch nehmen.

Doch während hinter dem PXLMAG ein ganzes Team steckt, ist dieser Blog ein Ein-Mann-Projekt. Hier gibt es keinen, mit dem ich mir die Arbeit für einen Beitrag aufteilen könnte; keinen, der sich um die technischen Aspekte der Webseite kümmert und kein Team, das ebenfalls regelmäßig für Artikel sorgt, auch wenn ich gerade länger an einer Geschichte arbeite. Auf „On the Screen“ bin ich Autor, Redakteur, Social Media-Betreuer und WordPress Theme-Optimierer in einem. Und das ist ein Haufen Arbeit, der viele Stunden in Anspruch nehmen kann. Stunden, die eigentlich Freizeit sind – und die sich vergeudet anfühlen können, wenn am Ende nur eine handvoll Leute den Artikel gelesen haben. Aber die notwendig sind, um einen Blog zumindest halbwegs sinnvoll zu führen.

In einem Beitrag über erfolgreiches Bloggen brachte der oben erwähnte Sascha Pallenberg diese Notwendigkeit sprachlich gewohnt drastisch zum Ausdruck.

„Wenn du meinst, du koenntest mit ner Stunde Zeitaufwand pro Woche ein erfolgreiches Blog fuehren, dann wird das nichts. Auch nicht in 10 Jahren! Also, kein Dschungelcamp mehr, kein DSDS oder sonstigen Muell mehr konsumieren, den dir die Zeitdiebe jeden Tag um die Ohren hauen wollen. Heb den Hintern hoch und fang endlich an was zu tun. Du kannst das, ich habs ja auch auf die Kette bekommen!“

Nichtsdestotrotz kann es hart sein, sich am Ende eines langen Tages an den Schreibtisch zu setzen und mit dem Tippen zu beginnen, während nicht nur besagte Zeitdiebe, sondern auch gute Beiträge von überall aus dem Internet um deine Aufmerksamkeit ringen. Oft ist die Dokumentation aus der ZDF-Mediathek oder das neue Video auf MKBHD’s YouTube-Kanal verlockender als die Aussicht, für einige Stunden am Abend an Artikeln zu arbeiten. Wer sich aber wie ich das Ziel gesetzt hat, mindestens einen Blogbeitrag pro Woche zu veröffentlichen, wird um diesen Aufwand nur schwer herumkommen. Warum einen Beitrag in der Woche? Weil ich so nicht in die Verlegenheit komme, das Projekt schleifen zu lassen und gleichzeitig für ein gewisses Grundrauschen auf dem Blog gesorgt ist. Schließlich sind die meisten Leser vermutlich eher geneigt, der Seite einen Besuch abzustatten, wenn es regelmäßig neues gibt.

Ich gebe es offen zu: Dieser Artikel ist eine Art Not-Beitrag, geschrieben angesichts der Tatsache, dass der eigentlich für dieses Wochenende geplante Beitrag bisher nicht über den Status einer digitalen Notizsammlung hinausgekommen ist. Ich habe es diese Woche einfach nicht geschafft, einen „richtigen“ Artikel fertigzustellen. Teilweise lag es an meiner fehlenden Zeit, teilweise aber auch an meiner aus am Abend fehlender Energie heraus resultierenden Unfähigkeit, einen zufriedenstellenden Satz zu formulieren. Solche Wochen gibt es – und das ist völlig okay, solange man Artikel „im Block“ hat oder bei Bedarf schnell einen wie diesen schreiben kann. Zu häufig sollte es aber nicht vorkommen: Ein Blog, der größtenweils aus Not-Beiträgen besteht, ist schließlich nicht wirklich Sinn der Sache.

Um diesen Tagebucheintrag nicht zu negativ werden zu lassen, möchte ich zum Ende hin etwas unmissverständlich klarstellen: Bloggen ist toll. Auch wenn es viel Arbeit sein kann, regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen, macht es doch unglaublich viel Spaß. Wenn ein fertiger Artikel endich auf der Seite erscheint, habe ich fast vergessen, dass es auf dem Weg dahin auch Schwierigkeiten gab. Es macht Spaß, der eigenen Webseite nicht nur beim Entstehen zuzusehen, sondern sie auch aktiv mitzugestalten.

Man muss sich vor Augen führen, welche Möglichkeiten das Internet und Angebote wie WordPress für jeden einzelnen eröffnet haben. Blogs können heute eigene kleine Redaktionen ernähren und Freiberufler für ihre Arbeit bezahlen. Sie können eine Reichweite aufbauen, die früher in der Print-Welt nur den großen Verlagen vorbehalten waren und damit zu ernstzunehmenden Stimmen in der Medienwelt werden. Nicht zuletzt sind sie oft diejenigen, die den Mut haben, sich als Testgelände für Finanzierungsmöglichkeiten abseits der AdSense-Banner herzugeben.

Richard Gutjahr wirkte beispielsweise selbst an der Entwicklung des Bezahldienstes Laterpay mit und stellte seinen Blog gleich für erste Feldversuche zu Verfügung. Inzwischen kommt der Dienst auch auf „Spiegel Online“ zum Einsatz. Und nachdem sich die Mobile Geeks schon Anfang 2015 komplett von der Bannerwerbung verabschiedet hatten, riefen sie im Oktober des gleichen Jahres die „Mobile Geeks Leserhilfe“ ins Leben. Im Rahmen dieser können die Leser den Techblog über verschiedene Wege direkt unterstützen.

Auch für den Leser ist diese Entwiclung von Vorteil, bieten Blogs doch guten Content für jede Nische und widmen Themen Artikel, die im Printbereich oder auf großen Webseiten keine sonderlich großen Chancen auf Veröffentlichung gehabt hätten – und damit meine ich nicht die Verschwörungsseiten, die aufzeigen wollen, was die „Mainstream“-Medien angeblich verschweigen. Ich rede von Seiten wie „Lousy Pennies“, auf der sich alles ums Geldverdienen mit gutem Journalismus im Netz dreht oder von Projekten wie „Auf ein Bier“, aus dem inzwischen ein Spielemagazin zum hören geworden ist. Unzufreiden mit dem oft klick-gesteuerten Journalismus einiger Angebote scheinen sich immer mehr Leser nach Alternativen umzusehen – und diese mit Geld zu unterstützen.

Auch wenn Bloggen sich manchmal nach Arbeit anfühlt und sinnlos erscheinen kann, wenn die Artikel nur wenig Beachtung finden – am Ende lohnt es sich doch.