Mobilität der Zukunft? – Das ist Moovel

Jeder Mensch ist unterwegs. Manche mehr, manche weniger. Aber jeder hat Strecken und Wege, die er tagtäglich hinter sich bringen muss. Bei häufig genutzten Routen stellt sich schnell eine gewisse Routine ein. Man weiß, mit welchem Abstand die Züge fahren, die einen ins Büro bringen. Man kennt die Buslinien zum Supermarkt, ins Fitnessstudio, zur Wohnung des besten Freundes. Für solche Strecken ist meist nicht einmal mehr ein Blick auf den Fahrplan notwendig – so sehr haben sich Zeiten und Namen der Linien ins Gehirn eingebrannt. Doch sobald man die gewohnte Umgebung verlässt, sieht dies schon anders aus. Auf Geschäftsreise oder im Urlaub ist man auf Apps angewiesen, die einem das erklären, was man zu Hause wie seine Westentasche kennt.

Dabei ergibt sich leider meist ein Problem: Die meisten Apps bedienen lediglich einen Aspekt der Mobilität. In der App des lokalen ÖPNV-Anbieters wird man wohl kaum Informationen über die örtlichen Carsharing-Stationen erhalten – und umgekehrt. Zudem verlieren die Programme in dem Moment ihren Nutzen, in dem man den Wirkungsbereich eben jenes Anbieters verlässt. Schon in Bremen nutzt einem die Software des Hamburger Verkehrsverbunds wenig.

Zwar integriert Google in seinen Maps auch regionsübergreifend den öffentlichen Nahverkehr, für die Planung einer längeren Bahnfahrt sind die Ergebnisse allerdings häufig nicht wirklich zu gebrauchen. Eine App für alles – die „Eierlegende Wollmilchsau“ unter den Mobilitätsapps – gab es lange Zeit nicht. Schon seit ein paar Jahren versuchen verschiedene Entwickler deswegen unabhängig voneinander, die sich daraus ergebene Marktlücke zu schließen. Eine von ihnen ist Moovel. Die bereits 2012 gegründete Firma hinter dem Programm verspricht, viele Möglichkeiten, mobil zu bleiben, in einer App zu bündeln. Wirklich unabhängig ist sie dabei allerdings nicht.

Übersichtlich und modern gestaltet

Schon beim ersten Öffnen der App fällt auf, dass die Macher viel Wert auf Übersichtlichkeit legten. Moovel ist in insgesamt drei verschiedene Tabs unterteilt, die auf der unteren Seite des Bildschirms zu finden sind: Nutzerprofil, Meine Verbindungen und eine Karte. Letztere basiert auf Google Maps und stellt das zentrale Element der Software dar. Die Karte zeigt nicht nur die Position des Nutzers an, sondern visualisiert auch alle Möglichkeiten im Umkreis, mobil zu bleiben, als bunte Icons. Neben Haltestellen von Bus, Bahn und Fähre tauchen auch Mietfahrräder, „myTaxi“-Stationen und Stellplätze des Carsharing-Dienstes „Car2Go“ in dieser Form auf der Karte auf. Dass die letzten beiden die einzigen unterstützten Angebote ihrer Art sind, verwundert wenig. Moovel ist ebenso wie „Car2Go“ und „myTaxi“ eine Tochterfirma des Autobauers Daimler. Immerhin werden die Verbindungen der lokalen Verkehrsverbunde in der Präsentation der Suchergebnisse gleichwertig behandelt.

Sucht man einen Zielort, schlägt Moovel ausgehend vom aktuellen Standort eine ganze Reihe an möglichen Verbindungen vor. Mit einem Tippen werden Details wie die genutzten Züge und Gleise, die Umsteigezeit oder der Preis einer Verbindung angezeigt. Ist der entsprechende Verkehrsverbund eine Partnerschaft mit Moovel eingegangen, besteht dort außerdem die Möglichkeit, direkt ein Ticket für die Fahrt zu buchen. Ebenso wie die gemerkten Strecken sind die erworbenen Fahrscheine in dem Tab „Meine Verbindungen“ zu finden, der für einen praktischen Überblick über die kommenden Fahrten sorgt. Auch Informationen über verspätete Züge oder den Standort bestellter Taxis können dort abgerufen werden. Um dieses und viele weitere Funktionen der App nutzen zu können, ist eine Anmeldung über Google, Facebook oder E-Mail notwendig. Ohne diese lässt sich die Software zwar weiterhin nutzen, ist aber nicht viel mehr als eine schicke Fahrplanauskunft.

Je größer die Stadt, desto besser ist Moovel

Moovel ist eine praktische App, die tatsächlich helfen kann, wenn man in ungewohnter Umgebung auf öffentliche Verkehrsmittel, Mietfahrräder oder -autos angewiesen ist. Dabei gilt die Faustregel: Je größer die Stadt, desto besser kann die App ihre Möglichkeiten entfalten. In Hamburg zeigt die angesprochene Karte zum Beispiel nicht nur die Haltestellen des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV), sondern auch die Stationen für „myTaxi“, „Car2Go“ und Mietfahrräder. Dementsprechend dicht ist das Netz aus Icons auf dem Startbildschirm der App. Aber auch auf dem Land ist Moovel durchaus nutzbar. Die Sucherergebnisse sind in dem meisten Fällen akkurat, nur äußerst selten schlägt die App einen wenig sinnvollen Weg vor.

Bei allem Lob sollte allerdings eines nicht vergessen werden: Moovel ist kein unabhängiges Projekt eines findigen Entwicklers, sondern die Software eines großen Autobauers. Wirklich neutrale Ergebnisse kann man also nicht erwarten – allein schon, weil die Konkurrenz in der App nicht vertreten ist. Ein kleines Nebenprodukt scheint die App trotz der großen Mutterfirma nicht zu sein. 110 Mitarbeiter arbeiten allein in Deutschland an dem Projekt, in den USA sind es noch einmal genauso viele. Der Größe des Teams entsprechend gibt sich die Daimler-Tochter durchaus ambitioniert. In einem Interview mit dem „Manager Magazin“ erklärte Moovel-Chef Robert Heinrich bereits 2014 die Zukunftspläne seines Unternehmens. Langfristiges Ziel sei es, das „Amazon der Mobilität“ zu werden – also eine Plattform, die nicht nur einen Überblick über alle verfügbaren Verbindungen gibt, sondern diese auch gleich an den Kunden verkauft.

Auf dem Weg zum Amazon der Mobilität?

Rund drei Jahre war das Angebot zum Zeitpunkt des Interviews bereits aktiv. 2012 erschien die App erstmals in den Stores von Apple und Google – als Reaktion auf die veränderten Mobilitätsgewohnheiten in Großstädten. Umweltfreundliche und günstige Alternativen zum eigenen Auto waren in den Jahren zuvor vor allem bei der jüngeren Generation immer populärer geworden. Moovel ist dabei so etwas wie die Begleiterscheinung einer längerfristigen Entwicklung in Richtung „Shared Economy“.

Der Launch fiel in eine Zeit, in der Carsharing-Anbieter und Mitfahr-Apps auch in Deutschland an den Start gingen. Von nun an war es nicht mehr unbedingt notwendig, ein Auto auch wirklich zu besitzen, um mit ihm sein Ziel zu erreichen. Dass diese Angebote vergleichsweise gut angenommen werden, zeigt den Wandel, den die Mobilität in den letzten Jahren durchlief. Im Land der Dichter, Denker und Autofahrer wäre wohl bis vor kurzem niemand auf die Idee gekommen, sich ein Fahrzeug mit mehreren – im Falle von Carsharing sogar tausenden – wildfremden Menschen zu teilen. Inzwischen sind die Autos der Carsharing-Dienste im Stadtbild keine Seltenheit mehr. Auch der Dienst Uber, der hierzulande durch eine Mischung aus gesetzlichen Regelungen und dem Widerstand der Taxifahrer nie wirklich aktiv werden konnte, setzt das Konzept der „Wirtschaft des Teilens“ in der Mobilität bereits seit Jahren erfolgreich um. Denn jeder Mensch ist unterwegs – egal, ob das genutzte Fahrzeug ihm gehört.


Beitragsbild © Moovel