TickTick – Die Wunderlist-Alternative

Die beliebte To-Do-Liste Wunderlist ist schon bald Geschichte. Microsoft, das die Firma hinter der App vor rund zwei Jahren übernahm, teilte bereits vor längerer Zeit mit, das Projekt zugunsten der eigens entwickelten und wenig kreativ benannten App To-Do einstellen zu wollen. Könnte TickTick zur Wunderlist-Alternative werden?

Das Thema To-Do-Listen begleitet mich schon länger. Es begann, als mir vor ungefähr sechs Jahren ein kleines Notizheft in die Hände fiel, das ein großer Flugzeugbauer als Werbegeschenk verteilte. Bis zu diesem Zeitpunkt war mein Kopf das einzige „Tool“ gewesen, mit dem ich meine Aufgaben zu organisieren versuchte. Diese Vorgehensweise brachte gleich eine ganze Reihe an Problemen mit sich: Sie führte nicht nur dazu, dass ich immer wieder To-Dos vergaß, sondern schien den Platz für das wirklich Wichtige wegzunehmen. Ich war ständig damit beschäftigt, meine Aufgaben im Kopf zu sortieren, was dem eigentlichen Abarbeiten eben dieser spürbar im Weg stand.

Mit dem angesprochenen Notizheft sollte sich dies ändern. Ich notierte alle To-Dos, sortierte sie nach Priorität und setzte fein säuberlich ein Kästchen vor jede Aufgabe – Letzteres vor allem für das befriedigende Gefühl, wortwörtlich einen Haken hinter die erledigte Aufgabe setzten zu können. Das machte den Berg an Latein-Hausaufgaben, den uns unserer Lehrerin im Zuge ihrer Freizeit-Verhinderungsmaßnahmen jede Stunde aufs neue aufdrückte, zumindest etwas erträglicher. (Ich rede mit ihnen, Frau K!)

Der Beginn einer Odyssee

Ein Überblick über TickTick.

Irgendwann begannen digitale Tools mehr und mehr in mein Blickfeld zu rücken. Es war die Zeit, in der Wunderlist gerade als nächsten großes Ding durch die Medien getrieben wurde, weswegen mir die Wahl meiner ersten digitalen To-Do-Liste nicht allzu schwer fiel. Meine anfängliche Zufriedenheit wandelte sich schnell in Frust. Auch ich war von den berühmt-berüchtigten Syncronisationsproblemen nicht verschont geblieben. Immer wieder verschwanden Aufgaben im digitalen Nirwana oder tauchten nur auf einem der mit Wunderlist genutzten Geräte auf. Genervt und ohne jegliches Vertrauen in die App machte ich mich auf die Suche nach Alternativen.

Es war der Beginn einer längeren Odyssee, die mich von einfachen (Clear) über ungewöhnliche (Timeful) bis hin zu umfangreichen Lösungen (2Do und Things) führte. Keine der Lösungen stellte mich wirklich zufrieden – bis ich Todoist entdeckte. Die App verband einen einfachen Aufbau mit umfangreichen Funktionen und war auch in der kostenlosen Version nahezu perfekt auf meine Bedürfnisse zugeschnitten. Trotzdem wollte ich weiterhin neue Lösungen ausprobieren und vor allem testen. Schließlich kann nicht jeder mit allen Lösungen auf dem Markt gleich gut arbeiten. Und wer weiß, vielleicht finde ich unter den getesteten Apps ja das Produkt, das Todoist von meinem persönlichen Thron stößt.

Ein Beitrag auf Caschys Blog machte mich Anfang 2016 erstmals auf TickTick aufmerksam, um das es heute gehen soll. Auf den ersten Blick wirkte das Programm wie eine andere Benutzeroberfläche von Wunderlist. Also schob ich die App erst einmal zur Seite und schenkte ihr mehr als ein Jahr lang keine wirkliche Beachtung. Seitdem hat sich einiges getan: Das augenscheinliche Vorbild Wunderlist sieht seiner baldigen Einstellung entgegen und die Entwickler hinter TickTick haben ihre App mit ein paar neuen interessanten Features versehen. Für wen der Umsteig auf TickTick durchaus eine Überlegung wert sein könnte, lest ihr in diesem Artikel.

Design: Modern und zurückhaltend

Tick Tick folgt der Designsprache, die Apple mit iOS 7 in seiner Software etabliert hat. Alles wirkt flach und modern, was die App in Kombination mit den minimalistischen Icons zeitgemäß wirken lässt. Wie so viele andere Apps dieses Genres ist TickTick zurückhaltend gestaltet, um ihrer Hauptfunktion nicht im Wege zu stehen: Dem produktiven Verwalten der anstehenden Aufgaben. Große, weiße Flächen dominieren das Bild, die je nach gewähltem Theme von grauen, schwarzen oder blauen Flächen unterbrochen werden. Weitere Themes stellt die App nur ihren zahlenden Kunden zur Verfügung.

Einige Vorteile von Premium im Überblick.

Auch die Entwickler hinter TickTick suchen ihr finanzielles Heil in Freemium. Für moderate 27,99 US-Dollar im Jahr bietet die Premium-Version eine ganze Reihe an zusätzlichen Funktionen, die nahezu alle Bereiche der App betreffen. Trotzdem gilt der Grundsatz: Für den Einzelkämpfer allein ist die Basis-Version völlig ausreichend, wer höhere Ansprüche an seine Software stellt oder Aufgaben im Team koordinieren muss, wird ums Bezahlen wohl kaum herumkommen.

Listen:

Listen sind das grundlegende Element einer jeden To-Do-Liste und somit wenig überraschend auch bei TickTick zu finden. In der kostenlosen Version können bis zu neun von ihnen angelegt werden, in welchen wiederum jeweils 99 Aufgaben abgelegt werden können.

Zusätzlich zu den vom Nutzer angelegten bringt TickTick standardmäßig einige Listen mit. Interessanterweise unterscheidet sich die Auswahl dieser abhängig von der Plattform. Während sich eine Liste mit den Heute fälligen Aufgaben, die „Getting Things Done“-inspirierte Inbox und eine Übersicht über die erledigten To-Dos sowohl im Web als auch in der iOS-App finden lassen, gibt eine Übersicht über alle Aufgaben sowie eine Liste mit allen To-Dos, die in den nächsten sieben Tagen fällig sind, nur im Web-Client. Noch verwirrender gestaltet sich die Kalender-Ansicht. Die App bietet hier immerhin einen Zeitstrahl und eine Liste mit den Aufgaben, die in den kommenden Tagen erledigt werden müssen. Im Web lässt der Klick auf den Kalender lediglich einen Hinweis erscheinen, dass es diese Funktion nur für Nutzer der Premium-Version gebe.

Diese Aufteilung wirkt unlogisch. Es ist nicht wirklich schlüssig, warum bestimmte Listen und Funktionen einer Plattform vorbehalten sind. Was sprach beispielsweise dagegen, die praktische Übersicht über die kommende Woche auch in die App zu integrieren? Diese Designentscheidung schränkt die Nutzbarkeit der App gegenüber der Web-Version massiv ein, ist diese Liste doch für die Planung der nächsten Tage ungeheuer wichtig.

In der Premium-Version fällt die oben erwähnte Beschränkung auf neun Listen. Zudem kommt eine interessante Funktion hinzu, die dem Nutzer einen tatsächlichen Mehrwert bietet: Die Smart Lists. In diesen Listen landen nur Aufgaben, die vom Nutzer selber definierte Kriterien erfüllen. So ließe sich beispielsweise eine Liste erstellten, in der ausschließlich Aufgaben gesammelt werden, die von anderen Nutzern zugewiesen wurden und eine hohe Priorität genießen. Allein für die Smart Lists könnte sich das Upgrade auf die kostenpflichtige Variante lohnen. Mit ihnen kann der Nutzer selber entscheiden, auf welchem Aspekt der Fokus einer Liste liegen soll.

Aufgaben: Der wichtigste Bestandteil – Gut gelöst

Die Aufgaben sind der wichtigste Bestandteil einer solchen Liste, schließlich definieren sie das, was tatsächlich erledigt werden sollte. TickTick bringt eine ganze Riege an zum Standard gewordenen Features mit: Fälligkeitsdatum, Erinnerungen, Prioritäten, Kommentare – all diese Features bedürfen inzwischen keiner großen Erwähnung mehr. Zudem kann jede Aufgabe mit bis zu 19 Unteraufgaben versehen werden. Leider bleiben diese immer fest mit ihrer übergeordneten Aufgabe verbunden und können weder an einem anderen Tag fällig sein, noch mit einer anderen Priorität versehen werden.

Fairerweise muss gesagt werden, dass mir diese Funktion abgesehen von umfangreicheren Lösungen wie 2Do oder Things bisher nur bei Todoist untergekommen ist. Sie war sogar der Grund, warum ich immer wieder zu Letzterer zurückkehrte. Umfangreichere Projekte lassen sich bei TickTick natürlich mit einem eigenen Projekt realisieren. Doch was ist mit Aufgaben, die sich nicht an einem Tag erledigen lassen, aber keine eigene Liste rechtfertigen?

Manchmal sind es die kleinen Features, die eine App aus der Masse an Produkten auf den Markt herausstechen zu lassen. Eine solche Funktion bringt auch TickTick mit: Der Fortschritt einer Aufgabe wird je nach Plattform mit einem Balken oder einem Tortendiagramm visualisiert. Als Grundlage hierfür dient die Anzahl der erledigten Unteraufgaben; bei Aufgaben ohne untergeordnete To-Dos kann der Fortschritt nach dem eigenen Ermessen eingestellt werden. Sicherlich ist diese Art der Fortschrittsanzeige keine weltbewegende Funktion – trotzdem hilft sie einzuschätzen, wie viel Zeit eine Aufgabe in Anspruch nehmen wird, ohne diese dafür anklicken zu müssen.

Während die Tags der App eine weitere Organisationsebene hinzufügen, sind die Kommentare vor allem dann praktisch, wenn die App im Team genutzt wird. Auf Wunsch können Aufgaben sogar ausgedruckt werden. (Warum auch immer man das tun sollte.) Die Premium-Version lässt die Begrenzung der Unteraufgaben auf 19 fallen und fügt zudem Erinnerungen für diese hinzu.

Fazit

In der großen und teilweise unübersichtlichen Landschaft der Taskmanager ordnet sich TickTick irgendwo im soliden Mittelfeld ein. Die App kommt nicht an umfangreichere Lösungen wie 2Do, Things oder gar OmniFocus heran. Sie spielt eher eine Liga darunter, was keinesfalls despektierlich gemeint sein soll. Vielmehr handelt es sich um ein schmaleres, Produkt, das zu Gunsten der besseren Nutzbarkeit auf einige Pro-Features verzichtet. TickTick schlägt damit einen ähnlichen Weg ein wie Wunderlist – und könnte der ideale Nachfolger sein, wenn Microsoft diese endgültig vom Markt nimmt.

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