Zukunft des Straßenverkehrs? – Google Maps zeigt Wegzeit in Abhängigkeit der Tageszeit

Die Google Maps zeigen seit Beginn der Woche die voraussichtliche Wegzeit in Abhängigkeit von der Tageszeit an. Was nach einem kleinen Feature klingt, zeigt, über was für riesige Datenmengen Google inzwischen verfügt – und bietet Potential, die Möbilität der Zukunft ein Stück weit mitzugestalten.

Googles wachsende Datenmengen

Die Maps gehören unbestritten zu den beliebtesten Produkten aus dem Hause Google. 2005 erschienen, entwickelte sich der Dienst schnell zum Goldstandard für Online-Kartendienste. Die bis dahin ungekannte Kombination aus Vielseitigkeit und akuratem Kartenmaterial machte Maps im Alltag schnell unersetzlich. Mit dem Aufkommen der Smartphones etablierte sich Googles Produkt auch auf den mobilen Geräten und ließ den Navigations-Apps der „alten“ Anbieter wie TomTom oder Navigon allenfalls ein Platz in der Nische übrig. Seinen Vorsprung vor der Konkurrenz verdankte Google vor allem seinem ungeheuren Arsenal an gesammelten Daten. Jedes mal, wenn jemand eine Fahrt antritt und sich von Google Maps zum Ziel leiten lässt, wachsen Googles Erfahrungswerte weiter an. Was Datenschützer naturgemäß kritisch sehen, nutzt der Konzern aus Mountain View bereits seit Jahren für die Implementierung neuer Features.

Seit 2011 bietet Google Maps beispielsweise Echtzeit-Informationen über den Verkehr. Was heute gar nicht mehr wegzudenken und mittlerweile in nahezu jedem Konkurrenzprodukt zu finden ist, begann vor inzwischen sechs Jahren mit Informationen über Autobahnen, Schnellstraßen und einige wenige Hauptverkehrsadern. Basierend auf Erfahrungswerten und den Daten anderer Autofahrer, die im gleichen Moment mit Hilfe von Google Maps unterwegs sind, wurde das Feature über die Jahre immer weiter ausgeweitet und ist heute in Deutschland nahezu flächendeckend verfügbar.

Ein vielseitiger Mobilitätsdienst

Heute bezieht Maps diese Daten wie selbstverständlich in die Planung der Route mit ein und vermeidet Stellen, an denen es nur langsam vorangeht, gleich von vornherein. Wie ein Berufspendler kennt Google Maps den schnellsten Weg, vermeidet Baustellen und umfährt Straßen, auf denen es sich häufig staut – alles basierend auf dem riesigen Pool an Daten, den Google in den rund zehn Jahren seit dem Durchbruch der mobilen Plattformen iOS und Android sammeln konnte.

Hinzu kommt die über die Jahre immer größer gewordene Menge an Informationen, die auch für Nicht-Autofahrer nützlich ist. Maps kennt die beste Strecke mit dem Fahrrad oder zu Fuß ebenso wie die Fahrpläne der örtlichen Verkehrsbetriebe. Die Google Maps sind längst kein einfacher Karten- oder Navigationsdienst mehr – sie sind ein vielseitiger Mobilitätsdienst für nahezu alle Arten der Fortbewegung. Als Nutzer muss man heutzutage praktisch nur noch sein Ziel kennen; den Rest übernimmt Google. War es früher nötig, mit Stadtplan in der Hand nach Straßennamen und Hausnummern Ausschau zu halten, kann man sich heute vom Konzern aus Mountain View einfach und bequem ans Zeil leiten lassen.

Potential für die Zukunft

Vergangene Woche implementierte Google ein Feature, das zeigt, was die riesigen Datenmengen hinter dem Dienst in Zukunft möglich machen könnten. Wie so häufig band Google die neue Funktion still und heimlich in seinen Dienst ein, ohne Nutzerschaft oder Presse groß darüber in Kenntnis zu setzen. Auch dieses Feature wird vermutlich den für den Konzern typischen Weg antreten: Zuerst ist es nur in einigen Ländern und auf einigen Plattformen verfügbar, um sich schließlich über alle Regionen und Devices gleichermaßen auszubreiten.

Der Graph zeigt die Wegzeit in Abhängigkeit von der Tageszeit.

Neben der detaillierten Wegbeschreibung zeigt Google Maps in der Android App nun einen Graphen, der die voraussichtliche Fahrzeit in Abhängigkeit von der Tageszeit anzeigt. Optisch erinnert die Funktion an die Stoßzeiten, die Maps bereits seit längerem für Geschäfte, Museen oder andere Einrichtungen anzeigt. Auf einen Blick wird deutlich, wie viel Zeit eine Strecke zu den verschiedenen Zeiten voraussichtlich in Anspruch nehmen wird. Diese Funktionen hat nicht nur das Potential, die Erinnerungen zum Losfahren noch besser zu machen, sondern könnte auch in der Terminplanung eine entscheidende Rolle spielen: Der Google Kalender der Zukunft könnte helfen, auf Basis der Verkehrsdaten genug Zeit zwischen Terminen einzuplanen, die an unterschiedlichen Orten stattfinden. Schaffe ich es nach dem Meeting mit dem Chef noch rechtzeitig zum Bowling-Abend mit den Kumpels? Es könnte nicht mehr lange dauern, bis man sich bei der Beantwortung solcher Fragen nicht mehr ausschließlich auf sein Gefühl verlassen braucht. Google kennt die Antwort.

Verkehr effizienter gestalten?

Dass Google eigentlich bekannte Daten wie die Stoßzeiten auf den Straßen sammelt, bündelt und für alle Nutzer verfügbar macht, bringt zudem die Möglichkeit mit sich, den gesamten Verkehr effizienter zu gestalten. Wer über die Auslastung der Wege zu verschiedenen Zeiten detailliert Bescheid weiß, kann weniger Zeit und Ressourcen einsetzen, um ans Ziel zu gelangen. Auch für selbstfahrende Autos – an denen Google schon seit Jahren arbeitet – sind diese Informationen wertvoll. Wenn ein großer Teil der Autofahrer erst einmal autonom unterwegs ist, könnten die selbstfahrenden Autos diese Erfahrungswerte nutzen, um Staus gar nicht erst entstehen zu lassen.

Bei allen Möglichkeiten, die Googles Dienste bieten, darf der Datenschutz nicht außer Acht gelassen werden. Google weiß, wann man wo ist, welche Restaurants man häufig besucht und welche Routen man täglich hinter sich bringt. Dies ist der Preis, der für die „kostenlosen“ Dienste gezahlt werden muss. Google hantiert mit all diesen Daten nicht, um der Welt etwas Gutes zu tun, sondern um an ihnen Geld zu verdienen. Und spätestens seit Snowden ist bekannt, dass auch staatliche Stellen nicht davor zurückschrecken, sich diese Daten zu nutze zu machen. Wer das nicht will, kann natürlich auf weniger datenhungrige Alternativen zurückgreifen – muss dafür aber auch auf die Vorteile verzichten, die das bequeme Google-Universum so mit sich bringt.


Beitragsbild: Israel Sundseth, Unsplash

Israel Sundseth

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