Aus dem Tagebuch eines Neu-Bloggers #3: Das gescheiterte Experiment

Ja, ihr habt richtig gelesen. Es gibt tatsächlich eine neue Ausgabe des Blogger-Tagebuchs. Bevor ich erkläre, wie es dazu kam, dass die Serie nun nach fast sechs Monaten ihr unerwartetes Comeback feiern darf, muss ich erst einmal den Weg zurück an den Anfang antreten. Die erste Ausgabe dieser Serie war tatsächlich der zweite Artikel, den ich für diesen Blog schrieb. Ein wenig überwältigt von dem Gefühl, endlich mein eigenes kleines Stück Internet zu besitzen, schrieb ich mit meine Gedanken zum relativ spontanen Start von der Seele. Und genau dafür war diese Artikelreihe auch von Anfang an gedacht: Ich wollte – ohne vorher groß zu recherchieren oder seitenweise Notizen anzufertigen – ein Plattform schaffen, um einfach nur drauflos schreiben zu können. Frei von der Leber, as we say in Germany. Die Artikel sollten die Herausforderungen und Probleme, aber auch die schönen Seiten des Lebens als Hobby-Blogger umfassen. Quasi eine Art regelmäßiges Update, in dem ich meinen Gedanken freien Lauf lasse.

Doch schon der zweite Artikel der Serie verfehlte sein ursprüngliches Ziel. Zwar behandelte er ein Thema, das durchaus unter die Überschrift „Blogger-Tagebuch“ passte, jedoch entstand er nicht so, wie ich es mir ursprünglich vorgenommen hatte. Mein Ziel war es (und ist es noch immer), jede Woche mindestens einen ausführlichen Artikel online zu stellen. Die Tagebuch-Einträge sollten allenfalls ergänzend zu den Haupt-Artikeln am Wochenende zwischendurch für Content sorgen. In der Woche vor Erscheinen der zweiten Ausgabe ging dieser Plan nicht auf. Ich arbeitete gerade am Artikel über die Geschichte von Wunderlist und merkte schnell, dass dieser bis zum nächsten Wochenende vermutlich nicht fertig werden würde. Also schrieb ich zwischendurch schnell ein paar Zeilen Blogger-Tagebuch und stellte sie am nächsten Tag als Ersatz für einen „richtigen“ Artikel online. So hatte ich mir die Serie eigentlich nicht vorgestellt.

Inhalte im Mittelpunkt

In den kommenden Monaten geriet mein Blogger-Tagebuch immer mehr in Vergessenheit. Zwischen den Haupt-Artikeln fürs Wochenende (oder auch mal für die Tage dazwischen) blieb mir nur wenig Zeit, mich anderen Artikeln zu widmen. Außerdem begann ich mich zu fragen, ob das Format überhaupt noch auf den Blog passte. Schließlich bemühte ich mich schon seit einer Weile, das Wort „Ich“ nach Möglichkeit aus Artikeln herauszuhalten, die keine Kolumnen oder Kommentare waren. Die Beiträge klangen in meinen Augen zu sehr danach, als würde ich mich in den Mittelpunkt stellen. Und darum sollte es hier nie gehen, sondern um die Inhalte.

Trotzdem begann ich, das Format zu vermissen. Einfach mal frei zu schreiben, kann tatsächlich sehr effektiv sein, um neue Ideen für Formulierungen anderer Artikel zu sammeln. Außerdem ist „On The Screen“ immer noch ein persönlicher Blog, auf dem meiner Meinung nach auch solche Artikel ihren Platz finden sollten. Deswegen möchte ich diese Reihe in Zukunft nutzen, um über Themen zu reden, die etwas mit dem Blog zu tun haben, aber keinen eigenen Artikel rechtfertigen. Ungefähr so wie mein kleines ToDo-Listen-Experiment, das spätestens am vergangenen Sonntag kläglich scheiterte.

Wie genau es dazu kam, dass ich ToDo-Listen für mich entdeckte, habe ich schon an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Deswegen halte ich mich hier kurz. Auf einer Berufsmesse, auf der man als Schüler zwangsläufig irgendwann einmal landet, fiel mir ein kleines Heftchen in die Hand, das ein großer europäischer Flugzeugbauer an die potentiellen zukünftigen Arbeitnehmer verteilte. Kurz zuvor war ich über das Konzept der ToDo-Liste gestolpert und nutze die Gelegenheit, das Konzept einmal für alle meine Aufgaben auszuprobieren.

Der Sinn nach Abwechslung

Also übertrug ich alles, was privat oder in der Schule so anfiel, in mein neues Heft und versah jede Aufgabe fein säuberlich mit einem kleinen Kästchen. Tatsächlich sorgte diese Methode schnell für eine gewisse Entlastung: Ich musste die Aufgaben, die notwendigen Zwischenschritte und ihre Fälligkeitsdaten nicht mehr im Kopf jonglieren, sondern konnte den Fokus auf das legen, was wirklich wichtig war: Auf das Erledigen der Aufgaben. Vom Heft stolperte ich schnell in die vielen digitalen Helfer, an denen schon damals wahrlich kein Mangel herrschte. Obwohl keine ausprobierte Lösung wirklich perfekt war, brachte das digitale Organisieren der Aufgaben doch Komfortfunktionen und Features mit, die ich schnell lieben lernte. Seit Anfang 2015 nutze ich mit kurzen Unterbrechungen hauptsächlich Todoist, das neben Things für meine Ansprüche das beste Gesamtpaket bot.

Doch nach zweieinhalb Jahren stand mir der Sinn nach Abwechslung. (Vielleicht wollte ich auch nur einen Tapetenwechsel, um mir wieder ins Gedächtnis zu rufen, wie gut Todoist eigentlich ist…) Als mir in einem Museumsladen ein orangefarbenes Notizheft in die Hand fiel, kam mir die Idee für ein Experiment in den Sinn: Schaffe ich es, meine Aufgaben offline zu organisieren? Eigentlich, so dachte ich mir, dürfte das doch kein Problem sein. Das wichtigste Tool fürs Aufgaben-Management sitzt schließlich zwischen den Ohren, wie Produktivitätsblogs nicht müde werden zu betonen.

In der Praxis stellte sich der Wechsel etwas komplizierter dar als ursprünglich gedacht: Er erforderte eine komplette Umstellung der bisherigen Herangehensweise. Bisher hatte ich in meinen Apps vor allem die Übersicht über den heutigen Tag zu Grunde gelegt, die Aufgaben nach Priorität sortiert und mit dem Abarbeiten begonnen. War die Liste früher zu Ende als der Tag, widmete ich mich den Aufgaben, die in den nächsten Tagen fällig werden. Offline funktionierte diese Arbeitsweise nicht, da sich eine Liste mit täglichen Aufgaben logischerweise nicht von selbst erstellte. Und ein tägliches Eintragen der heute fälligen Aufgaben klang in meinen Ohren nicht allzu attraktiv.

Ein unübersichtlicher Haufen ToDos

Also nahm ich mir vor, wesentlich projektbasierter zu arbeiten. Alle größeren Aufgaben – egal ob Artikel oder sonstiges ToDo – wurde wie früher in Unteraufgaben unterteilt und mit kleinen Kästchen zum Abhaken versehen. So musste ich nur das Heft aufschlagen und nach offenen Punkten suchen – zumindest in der Theorie. Praktisch ergaben sich schnell einige Probleme. Da immer wieder neue Projekte hinzukamen, verlor ich die alten recht schnell aus den Augen. Zudem war keine wirklich übersichtliche Priorisierung der Aufgaben möglich. Schnell fand ich mich in einem unübersichtlichen Haufen an ToDos wieder.

Obwohl ich in dieser Zeit objektiv gesehen einiges von der Liste streichen konnte, gab mir diese Arbeitsweise das unangenehme Gefühl, nicht wirklich etwas erledigt zu bekommen. Ich war schlicht nicht zufrieden mit der Gesamtsituation – und zog meine Aufgaben schon nach ein paar Wochen wieder zu Todoist um. Das Scheitern meines kleinen Experimentes gab mir zu denken: Passt die Offline-Organisation von Aufgaben allgemein nicht zu meiner Arbeitsweise? Bin ich falsch an die Sache herangegangen? Oder war es womöglich nur das Gefühl, nichts erledigt zu bekommen, das mich den Weg zurück antreten ließ? Bisher bin ich zu keiner endgültigen Antwort gekommen. Trotzdem war das Experiment eine weitere Erinnerung, dass nicht alle Tools zu jedem passen. Jeder hat seinen eigenen Stil und muss Hard- und Software finden, die mit der eigenen Arbeitsweise harmonieren.