Ist das Spiel oder kann das weg? – Bullyparade – Der Review

Bewertungen im Internet neigen zu Extremen. Daumen hoch oder Daumen runter? Empfehlung oder keine Empfehlung? Rotten oder Not Rotten? Für Zwischentöne lassen die meisten Bewertungssysteme kein Platz – und wenn sie es doch tun, die mittleren Bewertungen kaum vergeben. Deswegen kommt hier das Review-Format, dass sich dem Zeitgeist anpasst und einfach nur fragt: „Ist das Spiel, oder kann das weg?“ Heute: Bullyparade – Der Spiel.

Lizenz-Spiele mit schlechtem Ruf

Die Strecken spielen an alte Bully-Filme und aktuelle Hollywood-Blockbuster an.

Spiele zu Filmen genießen unter Gamern nicht den allerbesten Ruf. Dabei ist dieses Genre fast so alt wie das Medium Videospiel selbst. Bereits Mitte der 70er Jahre versuchten sich die ersten Entwickler an Versoftungen bekannter Filme. Bis auf wenige Ausnahmen hatten all diese Produkte eine Gemeinsamkeit: Sie waren keine guten Spiele. Objektiv feststellbare Schwächen wie miese Grafik, unpräzise Steuerung, gleichförmiges Leveldesign oder schlechte Performance machten die meisten Vertreter dieses Genres nicht gerade zu einem Spielgenuss. Trotzdem hielt der Trend der Lizenz-Spiele bis heute an und ließ im Laufe der Jahrzehnte eine ganze Reihe an schlechten Spielen entstehen. Games wie das legendär schlechte E.T., dessen unverkaufte Exemplare in der Wüste New Mexicos vergraben und später wieder ausgebuddelt wurden, Superman 64 oder neue Ableger der Transformers-Reihe scheiterten nicht an der kollektiven Inkompetenz ihrer Entwickler – Sie scheiterten an dem Umständen, unter denen sie produziert werden mussten.

Spiele gehören – zumindest wenn sie gut werden sollen – zu den Medien, deren Produktion die längste Zeit in Anspruch nimmt. Entwickler EA verriet 2011 in einem Artikel auf seinem Firmenblog, dass es zwischen 18 und 30 Monaten dauere, ehe ein Konzept schließlich als fertiges Spiel im Laden stehe. Filme sind ebenfalls aufwändig in der Produktion, lassen sich aber in einem deutlich kürzeren Zeitraum fertigstellen. Vor allem Filmreihen, die mit Büchern mithalten oder darauf achten müssen, dass Schauspieler nicht aus ihren Rollen hinauswachsen, legen häufig ein erstaunliches Drehtempo an den Start. Zwischen den Premieren der ersten beiden Harry Potter – Filme lag beispielsweise nicht einmal ein Jahr. Um Spiele pünktlich zum Kinostart veröffentlichen zu können, muss ihre Produktion möglichst früh beginnen. Häufig wird bereits am Spiel gearbeitet, bevor das Drehbuch fertig geschrieben wurde. Zu diesem Zeitpunkt steht manchmal nicht einmal fest, wie signifikante Orte später im Film aussehen sollen. Zeit, ein qualitativ hochwertiges Spiel zu entwickeln, bleibt meist trotzdem nicht.

Alle Kriterien einen klassischen Lizenz-Flops

Wirklich abwechslungsreich ist die Umgebung nicht gestaltet.

Diese Vorgehensweise erkläre nicht nur die mangelnde Qualität, sondern auch die teilweise massiven Unterschiede zwischen Film und Spiel, erklärte YouTuber David Hain in einem Video zum Thema. Um größere Kontroversen zu vermeiden, bedienen sich viele Entwickler an einer einfachen Strategie: Sie versetzen ihr Spiel in ein bestimmtes Genre und halten die erzählte Geschichte so minimal wie möglich. In den 80er und 90er Jahren war deshalb so gut wie jedes Spiel, das auf einem Film basierte, im Genre der Jump n´ Runs angesiedelt. Seitdem ist die Schere zwischen den Produktionen in der Spieleentwicklung weiter auseinandergegangen: Große Titel wie GTA oder Destiny benötigen gerne mal fünf Jahre oder länger in der Entwicklung, während kleinere Spiele dank einfach nutzbarer Engines und wenig Liebe zum Detail vergleichsweise schnell entwickelt werden können.

„Bullyparade – Der Spiel“ (sic!) erfüllt all die Kriterien eines klassischen Lizenz-Flops. Es ist ein Spiel zu einem Film, hat bis auf Namen und Charaktere nichts mit dem eigentlichen Film zu tun und versucht nicht einmal, seine schnelle und günstige Produktion zu verbergen. Die „Bullyparade“ bedient sich bei nahezu allen Spielelementen bei Mobile Game „Subway Surfers“: Es gibt Hindernisse, Power-Ups, Münzen und drei Spuren, auf denen sich die Charaktere bewegen können. Einzig der Fakt, dass es nicht unendlich geht, sondern nach einem festen Ziel endet, das es als erster zu erreichen gilt, unterscheidet die beiden Spiele auf den ersten Blick.

Schon bei den verschiedenen Umgebungen, die vor den Rennen scheinbar nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, beginnen sich die vielen Schwächen des Spiels deutlich zu zeigen. Ihre Namen spielen an Bully-Klassiker vergangener Tage und aktuelle Hollywood-Hits an. Vor allem letztere wirken deplatziert: Sie spielen im Film wohl eine wichtige Rolle, werden hier aber in keinster Weise erklärt. Titel wie „Lutz of Wallstreet“ oder „Planet der Frauen“ bleiben ihr kontextlose (und nicht wirklich witzige) Anspielungen auf Filme, deren Zusammenhang mit dem Bullyversum erst im Film erklärt wird.

Eintönig gestaltete Umgebungen

Hinzu kommt eine eintönig gestaltete Umgebung, deren Gestaltungselemente sich in ähnlicher Form mehrmals pro Strecke wiederholen. Anders als andere Vertreter dieses Genres gehen die Strecken nicht theoretisch unendlich weiter, sondern enden nach einer gewissen Zeit – Es hätte also die Möglichkeit gegeben, die Umgebung von Anfang bis Ende von Hand abwechslungsreich zu gestalten. Das Paradebeispiel für diese wenig kreative Gestaltung ist der angesprochene „Planet der Frauen“, der ungefähr so viel Abwechslung bietet wie eine Autobahn in tiefsten Mecklemburg-Vorpommern. Passend dazu erreicht auch die Grafik – selbst nach Mobile Games Standards – allenfalls unteres Mittelmaß. Eine geringe Auflösung, sichtbare Pixel an den Kanten der Figuren, Detailarmut und die Darstellung von Objekten durch einfachste Formen bringen unangenehme Erinnerungen an Probleme zurück, an denen Spiele vor mehr als einem Jahrzehnt litten.

Die spielbaren Charaktere – die im übrigen alle von Anfang an genutzt werden können und nicht gegen Ingame-Währung freigeschaltet werden müssen – sind größtenteils den großen Bully-Erfolgen vergangener Tage entnommen: Winnetou und Shatterhand, Mr. Spuck und Captain Kork, Sissi und Franz – Sie alle tauchen auch im Spiel auf und kommentieren das Geschehen im Spiel mit kurzen Sprüchen, eingesprochen von den Schauspielern des Films. Herbig, Tramitz und Kavanian bedienen sich allesamt bei der überzeichneten und leicht bayrisch angehauchten Stimme, die seit den ersten großen Erfolgen des Trios ein fester Bestandteil der Filme ist. Obwohl die Vertonung keinesfalls schlecht ist und als Service für die Fans gesehen werden kann, fehlt es ihr doch an Variation: Bestimmte Ereignisse werden von den Charakteren mit den immer gleichen Sprüchen kommentiert, was nach einer Weile wohl selbst dem größten Bully-Fan auf die Nerven geht.

Schwammige und leicht verzögerte Steuerung

All diese Punkte ließen sich verkraften – sie sind bei einem Spiel dieser Art sogar beinahe nebensächlich. Doch leider hat die „Bullyparade“ Probleme in einem für das Spielerlebnis viele signifikanteren Bereich: Bei der Steuerung. Diese kommt nicht nur schwammig, sondern zu allem Überfluss auch noch etwas verzögert daher – und das sorgt relativ schnell für Frust. Das Spiel ist dadurch nicht unspielbar – Spaß macht es trotzdem nicht. Hindernisse sorgen zwar nicht direkt für ein Game Over, bremsen den Charakter aber aus und lassen ihn für kurze Zeit manövrierunfähig durch die Gegend stolpern. Hin und wieder rücken Passagen zudem zu spät ins Sichtfeld, was ein fehlerfreies Meistern schlicht unmöglich macht. Unpräzise Steuerung ist die besonders gut – in einem Spiel dieser Art aber ein noch viel größeres Problem. Schließlich gibt es nichts, das davon ablenken könnte.


Es gibt Spiele, die sind so schlecht, dass sie schon wieder witzig werden – „Bullyparade – Der Spiel“ gehört nicht dazu.

Fazit: Kann weg.

Bullyparade - DER Spiel
Preis: Kostenlos+
Bullyparade - DER Spiel
Preis: Kostenlos+