Solide Kopfhörer für kleines Geld – JBL T450 BT im Test

Kopfhörer sind ein schwieriges Thema für einen Testbericht. Ähnlich wie bei einem PC bestimmen die individuellen Anforderungen und Einsatzbereiche darüber, wie gut ein Modell für jeden einzelnen persönlich geeignet ist. Für den Geschäftsreisenden, der sein halbes Leben im Flugzeug verbringt, mag eine aktive Unterdrückung der Umgebungsgeräusche unersetzlich sein, während der Gym-Pumper, der sein halbes Leben im Fitnessstudio verbringt, eher auf geringes Gewicht und hohen Tragekomfort wert legt. Für wen der T450 BT von JBL in Frage kommt, lest ihr in diesem Testbericht.

Muss es wirklich Bluetooth sein?

Bevor ihr den T450 BT von JBL überhaupt in Betracht zieht, solltet ihr euch deshalb überlegen, ob ihr wirklich eine Bluetooth-Verbindung benötigt. Die zur Harman-Gruppe gehörende Marke verkauft ein nahezu identischen Modell mit Kabeln, das in einigen Online-Shops bereits für 20 Euro zu haben ist. Die Bluetooth-Variante, um die es in diesem Test primär geht, schlägt mit mindestens 35 Euro zu buche. Wer auf Bluetooth verzichten kann, sollte also lieber die günstigere Ausgabe ins Auge fassen.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass JBL einen 20-Euro-Kopfhörer für bis zu 50 Euro – so viel kostet das kabellose Modell noch immer in einigen Läden – verkauft. Und das merkt man, sobald man die Kopfhörer aus ihrer schlichten, aber dennoch schick gestalteten Verpackung zieht. Außer dem Objekt der Begierde selbst findet sich dort lediglich Papierkram und und micro-USB-Kabel zum aufladen. Letzteres fühlt sich immerhin gleichermaßen angenehm wie solide an – was für die Kopfhörer an sich nur bedingt gilt.

Probleme mit der Verarbeitung

Das Problem ist dabei nicht einmal die Materialwahl: Der T450 BT besteht abgesehen von der Polsterung für die Ohren komplett aus mattem Plastik und unterscheidet sich dadurch nicht wirklich von anderen Kopfhörern dieser Preisklasse. Eine Polsterung der Bügel wäre natürlich wünschenswert, ist angesichts des Preises aber verzichtbar. Das Problem liegt eher in der Verarbeitungsqualität: Der unterer Teil des beweglichen Bügels wackelt bedenklich hin und her und lässt sich bereits mit wenig Aufwand aus dem oberen Teil „herausschütteln“. Es kam häufiger vor, dass ich den Kopfhörer auf die richtige Länge einstellte, nur damit sich dieser auf dem Weg zum Kopf wieder verstellte.

Da dieses Problem beim getesteten Modell auf der einen Seite stärker auftrat als auf der anderen, steckt dahinter vermutlich kein generelles Problem, das alle Exemplare der Reihe betrifft. Doch auch abgesehen von diesem kleinen Ärgerniss macht der Kopfhörer an sich nicht den stabilsten Eindruck. Trotz Faltmechanismus würde ich nicht dazu raten, den T450 BT nicht ohne zusätzlichen Schutz in einem Rucksack mit anderen schweren Gegenständen zu transportieren. Trotz dieser kleineren Schwächen ist der Kopfhörer noch ein ganzes Stück vom Status des Elektroschrotts entfernt.

Zumindest optisch können die Kopfhörer überzeugen, die in blau, weiß und schwarz verfügbar sind. Während blau auffällig und sportlich wirkt, sind die anderen beiden Farbvarianten eher schlicht und zurückhaltend. Aus dem matten Plastik, das vom glänzenden JBL-Logo unterbrochen wird, und dem runden Formfaktor des On-Ear-Kopfhörers ergibt sich ein visuell ansprechendes Gesamtpaket: Schlicht, modern und keineswegs hässlich.

Schwache Bedienelemente – Guter Tragekomfort

Bedienelemente am Kopfhörer sind für kabellose Modelle quasi unersetzlich. Da man sich als Nutzer naturgemäß häufig weiter weg vom verbundenen Smartphone oder Tablet befindet, sollten sich zumindest Lautstärke und Play/Pause am Kopfhörer selbst einstellen lassen. Beim JBL T450 BT ist dies der Fall: Neben Status-LED, An/Aus-Knopf und einem Mikrofon, dessen Qualität mit „grauenvoll“ noch recht wohlwollend umschrieben ist, bietet dieser drei Tasten, um die Lautstärke sowie Play/Pause einzustellen. Weder Positionierung noch Größe dieser ist dabei wirklich optimal gelungen: Sie sind nicht nur relativ klein, sondern auch noch relativ nahe beieinander. Erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit gelang es mir, die Knöpfe mit einer halbwegs annehmbaren Quote zu treffen und selbst nach mehreren Monaten drücke ich versehentlich zwei Tasten gleichzeitig. Die hervorstehenden Symbole Plus, Minus und Punkt helfen dabei wenig. Auch Druckpunkt und Verarbeitung – den Knöpfen hätte etwas weniger Spiel ganz gut getan – könnten besser sein.

Besser als die Positionierung der Bedienelemente ist allerdings der Tragekomfort. Dank der weichen Polsterung konnte ich die JBL T450 BT auch über einen längeren Zeitraum ohne Probleme tragen, bevor sie nach eineinhalb bis zwei Stunden begannen, unangenehm zu drücken. Obwohl die Ohren unter dem On-Ear-Kopfhörer schnell sehr warm werden können, macht ihr geringes Gewicht sie auch beim Training zu einer soliden Option. Die beworbene Akkulaufzeit von elf Stunden erreichte der Kopfhörer zwar nie; acht bis zehn Stunden waren jedoch durchaus drin. Der JBL T450 BT kann also problemlos auf einen Wochenendtrip mitgenommen werden, ohne einen Gedanken an das Ladekabel zu verschwenden.

Solide Klangqualität

Ich bin wahrlich kein Klangexperte, kann in Sachen Sound-Qualität also nur meine Amateur-Meinung zum besten geben. Zwei Bereiche, in denen der Kopfhörer eine gute Figur macht, lassen sich auch ohne große Fachkenntnisse bewerten: Die Lautstärke und die Isolation der Außengeräusche. Der Kopfhörer kann nicht nur so laut werden, dass ich die Lautstärke in ruhigen Umgebungen auf maximal ein Drittel einstellte, sondern alle Außengeräusche sehr gut abschirmen. Natürlich kommt dies bei weitem nicht an ein Modell mit aktiver Unterdrückung der Umgebungsgeräusche heran, führt aber trotzdem dazu, dass ihr den Gegenüber nur schwer verstehen werdet.

Darüber hinaus bietet der JBL T450 BT ein solides Klangbild mit in dieser Preisklasse verzeihbaren Schwächen. So müssen sich Bass und Höhen den dominanten Mitten unterwerfen, wodurch der Sound an Details und Lebendigkeit verliert. Dass der Bass nicht seine volle Dynamik entfalten kann und die Höhen etwas abgeschnitten werden, liegt angesichts des Verkaufspreises vollkommen im Rahmen. Ebenso akzeptabel ist die allgemeine Klangqualität, die erst bei sehr hoher Lautstärke verzerrt klingt.

Der JBL T450 BT ist ein ordentlicher Kopfhörer. Die 50 Euro, die manche Elektrofachgeschäfte noch immer für ihn verlangen, sind in meinen Augen für die gebotene Qualität zwar etwas zu hoch angesetzt – für die in machen Online-Shops veranschlagten 35 Euro ist er durchaus eine Überlegung wert. Während Optik und Tragekomfort überzeugen können, zeigt das Modell bei Verarbeitung und Klangqualität leichte Schwächen. Vor allem der Mechanismus zur Einstellung der Größe hätte für meinen Geschmack gerne besser verarbeitet worden sein können.

Doch für wen ist der Kopfhörer nun was? Wer einen vergleichsweise günstiges und bequemes Modell sucht und dabei auf etwas Verarbeitungsqualität verzichten kann, könnte den JBL-Kopfhörer auf die Liste setzen. Für Schüler und Studenten mit kleinerem Budget oder Sportler, die eine günstige Alternative ohne störende Kabel fürs Fitnessstudio suchen, bietet sich der Kopfhörer ebenfalls an.