Konkurrenz für TripWolf? – Google Trips im Test

Rund ein Jahr nach der ersten Veröffentlichung in den USA gibt es die Reise-App Google Trips nun auch auf Deutsch. Mit seinem schier unendlichen Pool an relevanten Daten bringt der Suchmaschinen-Riese das Potential mit, etablierten Alternativen wie TripWolf oder TripAdvisor ihre Position streitig zu machen. Doch kann die App überzeugen?

Der Einfluss der Digitalisierung

So sah TripAdvisor im September 2004 aus.

Es gibt kaum einen Bereich, der in den letzten Jahren von der Digitalisierung nicht beeinflusst wurde. Sie veränderte die Art und Weise, wie Menschen Einkaufen gehen, Nachrichten konsumieren oder sich in fremder Umgebung zurechtfinden. Die Reiseindustrie war eine der ersten Branchen, die das Potential digitaler Lösungen erkannte. Ein gutes Produkt – ob digital oder analog – löst ein Problem. Und Reisen brachten jahrzehntelang gleich eine ganze Reihe an Problemen mit sich, die bei der Hotelsuche anfingen und sich über die Planung der Aktivitäten bis hin zur Suche nach dem passenden Restaurants fürs Abendessen hinzogen. Natürlich gab es Reiseführer, die jedoch meist ihre ganz eigenen Nachteile hatten: Sie veralteten schnell, waren unhandlich und outeten ihren Nutzer als ahnungslosen Touristen – In einigen Gegenden sicherlich kein Vorteil.

Dementsprechend schnell entwickelten sich nach dem kommerziellen Durchbruch des Internets Plattformen rund um das Thema Reisen. Die bereits im Februar 2000 gegründete Webseite TripAdvisor sammelte beispielsweise als eine der ersten größeren Plattformen Einträge zu Hotels, Restaurants, Geschäften und Sehenswürdigkeiten sowie deren jeweilige Nutzerbewertungen. Solche Dienste erleichterten nicht nur die Urlaubsplanung für den Kunden – sie entwickelten sich für lokale Unternehmen schnell zum beliebten Marketing-Instrument: Noch heute kleben viele Sticker auf Restaurant-Türen, die um eine Bewertung auf TripAdvisor bitten. Die Sterne unter dem Namen des jeweiligen Restaurants können das Lokal vom Geheim-Tipp in einen beliebtes Touristen-Ziel verwandeln – oder für ein Ausbleiben der Gäste sorgen.

Google agierte in diesem Bereich lange erstaunlich zurückhaltend. Das Unternehmen kennt Restaurants, Hotels und ihre Bewertungen, weiß, welche Attraktionen im Umkreis sehenswürdig sind und kann auf Basis von Nutzerdaten sogar prognostizieren, wie stark Straßen zu bestimmten Zeiten befahren sind – und wie sich dies auf die Fahrzeit auswirkt. Trotzdem dauerte es bis September 2016, ehe Google in den USA den logischen Schritt vollzog und seine Informationen in der Reise-App Google Trips zusammenfasste. Seit kurzem ist diese auch in deutscher Sprache verfügbar – Grund genug, sich die App einmal genauer anzusehen.

Die gut verknüpften Google-Dienste

Loggt man sich mit seinem Google-Account in die App ein, zeigt Trips Informationen über die vergangenen Reisen der letzten Monate. Diese bezieht die App aus dem verknüpften Gmail-Postfach, in dem die Bestätigungen von Hotel-Buchungen, Flügen, Zug-Verbindungen oder Mietwagen-Reservierungen hinterlegt sind. Aus diesen stellt der Dienst automatisch eine neue Reise zusammen. Hier kann die – zugegeben manchmal bedenklich gut funktionierende – Verknüpfung der verschiedenen Google-Programme ihre Vorteile voll ausspielen. Ohne Zutun des Nutzers werden alle relevanten Daten zuverlässig erfasst und in die jeweiligen Apps übertragen. Allerdings nur, wenn dieser entweder Gmail oder Googles Inbox nutzt – andere Mail-Anbieter unterstützt Trips nicht.

Sind im Mail-Postfach keine Informationen verfügbar, kann ein Trip auf Wunsch auch manuell über die Suche hinzugefügt werden. Jeder Eintrag einer Reise besteht dabei aus einem Titelbild, das repräsentativ für die nähere Umgebung steht, sowie fünf bunten Kacheln. Hinter diesen verbergen sich die Haupt-Funktionen der App. Während „Reservierungen“ eine Liste der gebuchten Hotels oder Flüge zeigt, schlägt Google unter der Rubrik „Essen&Trinken“ Restaurants, Bars oder Cafés in der näheren Umgebung vor – so weit, so unspektakulär.

Spannender sind die „Möglichen Aktivitäten“, die in gewisser Weise das Herzstück der App bilden. Basierend auf der Tageszeit finden sich dort nach Entfernung sortierte interessante Ausflugsziele. Die meisten von ihnen sind im näheren Umkreis und damit fußläufig zu erreichen – andere erfordern eine Anfahrt von maximal 50 Kilometern. Jeder Eintrag ist dabei jenen auf Google Maps sehr ähnlich. Auch Trips bündelt Bilder, Öffnungszeiten, Kurzbeschreibung und Nutzerbewertungen mit wichtigen Kontaktdaten wie Adresse, Telefonnummer oder Webseite. Der riesige, durch Nutzer stetig erweiterte Datenfundus hilft hier, sich schnell einen Überblick über das anvisierte Ausflugsziel zu verschaffen. Mit redaktionell betreuten Angeboten kann Google Trips qualitativ zwar nicht mithalten, beinhaltet dafür aber mehr Einträge, als jede Redaktion beisteuern könnte.

Praktisch und unverzichtbar – die Offline-Nutzung

All diese Infos lassen sich komplett für die Offline-Nutzung herunterladen, was vor allem im Auslandsurlaub ohne mobiles Datenvolumen praktisch ist. Zwar war es auch mit bestehenden Diensten möglich, Kartenmaterial zu speichern, Artikel über Sehenswürdigkeiten zu sichern und Namen von guten Restaurants aufzuschreiben – Dank Google Trips werden all diese Funktionen zentral und vor allem übersichtlich an einem Ort hinterlegt.

Nutzern vergleichbarer Dienste dürfte zudem die Funktion bekannt vorkommen, seinen Tag mit Hilfe der App detailliert zu planen. Im Bereich „Pläne für den Tag“ lässt sich eine Art „Timeline“ erstellen, die Aktivitäten sinnvoll miteinander verbindet. Wer also zum Beispiel vorhat, am Vormittag im Hallenbad schwimmen zu gehen, mittags im Restaurant zu essen und den Nachmittag im Museum ausklingen zu lassen, kann dies in der Theorie mit Google Trips planen. Dabei schlägt die App automatisch Sehenswürdigkeiten vor, die auf dem Weg oder in der Nähe der angepeilten Ziele liegen. Eine sinnvoll integrierte (und dreist von der Konkurrenz kopierte) Funktion, die Planern einen Mehrwert bietet, ohne den spontaneren Urlaubern im Weg zu stehen.

Wie so häufig bei Google liegt der Fokus auch in diesem Fall auf der größtmöglichen Nutzergruppe. Die App richtet sich also nicht an den Business-Kunden, sondern eher an den normalen Reisenden, der Inspiration für seinen nächste Ausflug sucht. Features für Geschäftsreisende sucht man in Google Trips dementsprechend vergeblich. Auch eine Verbindung mit einem Work-Account fügt keine Funktionen für den professionellen Nutzer hinzu.

Trips macht deutlich, welche Größe Googles Datensammlung inzwischen angenommen hat. Dank ergiebigen Quellen wie Maps oder der Suche kann das Unternehmen problemlos aus dem Stand einen Dienst auf die Beine stellen, der Wettbewerbern mit jahrelangem Vorsprung und aktiver Community gefährlich werden kann. Denn während sich diese über Werbung und ein kostenpflichtiges Pro-Abonnement finanzieren müssen, zahlt man bei Googles Alternative wie üblich vor allem mit seinen Daten. Wer dem Konzern also keine allumfassenden Informationen über seine Reisen anvertrauen möchte, sollte also lieber bei einem Konkurrenten bleiben – denn wie (fast) immer gilt: Je mehr der Dienst genutzt wird, desto besser passt er sich den eigenen Bedürfnissen an. Auch nach fast 20 Jahren der digitalen Reiseplanung bietet dieser Bereich Platz genug für einen entsprechenden Google-Dienst.