Das moderne Haushaltsbuch? – Money Manager im Test

Im Google Play Store mangelt es nicht an Apps, mit denen sich Ausgaben und Einnahmen tracken lassen. Der Money Manager gehört zu den populärsten Lösungen und darf sich sogar mit dem von Google eher selten vergebenen Label „Empfehlung der Redaktion“ schmücken. Zu recht?

Der Wandel der Finanzwelt

Das Wort Haushaltsbuch hat irgendwie einen altmodischen Klang an sich. Es erinnert unweigerlich an die Zeit, in der der Mann am Zahltag noch mit der Lohntüte nach Hause kam und die Frau fein säuerlich notierte, wo das Geld diesen Monat wieder geblieben war. Nun befinden wir uns nicht mehr in den 50er Jahren und das klassische Haushaltsbuch ist ebenso verschwunden wie Lohntüten oder die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau. Das zweite Jahrzehnt dieses Jahrhunderts neigt sich langsam dem Ende entgegen – und an die Stelle von Bargeld sind längst alternative Möglichkeiten getreten, Geld zu verwalten. Heute gehen wir in weiten Teilen der Welt ganz selbstverständlich mit verhältnismäßig neuen Diensten wie PayPal oder Apple Pay um. Anstatt in der Geldbörse mühsam nach Münzen zu suchen, reicht heute ein einfacher Fingerabdruck, um einen Kauf abzuschließen – und anstatt jede Überweisung in einer Filiale auf Papier schreiben zu müssen, erledigen wir unsere Bankgeschäfte lieber mit Online Banking bequem vom heimischen Schreibtisch.

Während sich das Geld immer mehr von seinem physischen Träger löst, ändert sich zugleich das Verständnis dessen, was eine Bank leisten muss. Inzwischen machen nicht mehr ausschließlich Geeks und Nerds die Wahl ihres Finanzinstituts davon abhängig, wie gut dieses digital aufgestellt ist. Selbst im bargeldverliebten Deutschland vertrauen immer mehr Menschen ihr Geld einer Bank wie N26 an, die im Grunde nur im Netz und als App existiert. Die Digitalisierung hat in der Finanzwelt für die Verbraucher einen Wandel in Gang gesetzt, dessen Ende noch lange nicht abzusehen ist.

Das klassische Haushaltsbuch auf Papier mag altmodisch erscheinen – sein Konzept ist es sicher nicht. In Zeiten, in denen man die eigenen finanziellen Verhältnisse nicht mehr an der Dicke des Portemonnaies ablesen kann und Käufe so einfach wie nie getätigt werden, ist es vielleicht sogar wichtiger denn je, einen Überblick über seine Finanzen zu gewinnen. Im Google Play Store finden sich zahlreiche Alternativen in allen Preisklassen, die genau dies leisten sollen. Mit dem Money Manager schauen wir uns heute eine solche App einmal genauer an.

Kein Mangel an Finanz-Apps

In den relevanten App Stores von Google und Apple mangelt es nicht an Apps, die im weitesten Sinne etwas mit Finanzen zu tun haben. Bevor wir also auf die Details zum Money Manager eingehen, muss erst einmal geklärt werden, was dieser nicht ist: Die Software ist nämlich weder Banking-App, noch Zahlungsdienstleister und benötigt daher keinen Zugriff auf irgendwelche Kontodaten. Wer Produkte online bezahlen oder allgemeine Bankgeschäfte erledigen will, sollte sich also eher nach einer Alternative umsehen. Die meisten großen deutschen Banken haben inzwischen ihre eigene Apps in die Stores gebracht, die genau diese Funktionen bieten.

Der Money Manager eignet sich – wie ein klassisches Haushaltsbuch – lediglich dazu, einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu gewinnen. Dabei müssen alle Kontobewegungen manuell hinzugefügt werden. Jeder Eintrag besteht neben dem Betrag aus Datum, Uhrzeit und einer möglichen Wiederholung. Letzteres ist vor allem für regelmäßig wiederkehrende Ausgaben wie beispielsweise die Miete sinnvoll. Darüber hinaus könnt ihr festlegen, von welchem „Konto“ (Bargeld, Karte oder Überweisung vom Girokonto) der Betrag gezahlt wurde und diesen auf Wunsch einer Kategorie zuordnen. Standardmäßig verfügt die App über eine ganze Reihe an Kategorien, die nach belieben verwaltet werden können. Unterkategorien lässt euch die App ebenfalls festlegen – allerdings erst, wenn ihr die entsprechende Option in den Einstellungen aktiviert. Allgemein empfiehlt es sich, vor der Nutzung einen Blick in diese zu werfen und die App den eigenen Vorlieben anzupassen. Ebenfalls an Bord ist die Funktion, ein Foto des Kassenzettels als Beleg hinzuzufügen. Dabei ist der Money Manager leider nicht in der Lage, die dort verzeichneten Daten (Betrag, Datum, Zahlungsmethode) zu erkennen und automatisch in den Eintrag einfließen zu lassen.

Der Money Manager teilt sich im wesentlichen in vier Bereiche auf, die über die entsprechenden Reiter am unteren Rand des Bildschirms erreicht werden können: Buchungen, Statistik, Konten und Einstellungen. Hinter Ersterem verbergen sich die wichtigsten Funktionen der App, sorgen sie doch für die Übersicht über alle Ausgaben und Einnahmen, durch die das Programm erst seinen Mehrwert gewinnt. Hier geht die Software einen ähnlichen Weg wie die meisten Kalender-Apps: Für verschiedene Bedürfnisse bietet der Money Manager eine eigene Ansicht, die Informationen unterschiedlich aufbereitet. Beim Öffnen bekommt ihr beispielsweise standardmäßig eine nach Tagen sortierte Liste aller Ausgaben zu sehen, die nahezu alle verfügbaren Informationen anzeigt.

Money Manager im Web – Ein Sicherheitsrisiko?

Dies sorgt zwar für einen ausführlichen Überblick über die letzten zwei bis drei Tage, ist zum schnellen Überfliegen aber schlicht zu unübersichtlich. Andere Ansichten eigenen sich dafür deutlich besser. Während der Kalender die jeweiligen Gesamtsummen der Einnahmen und Ausgaben dieser Tage in blau beziehungsweise rot anzeigt, lassen sich unter „Woche“ und „Monat“ die Bilanzen für den jeweiligen Zeitraum finden. Ebenso wertvoll wie diese Fülle an Ansichten ist der Statistik-Reiter, in dem die gesamten Ausgaben prozentual nach Kategorie sortiert in einem Tortendiagramm dargestellt werden. So könnt ihr auf einen Blick sehen, wie groß die einzelnen Ausgabenposten sind und unter Umständen das ein oder andere Einsparpotential entdecken. Weitere Darstellungen, die vor allem für den anspruchsvolleren Nutzer interessant sein dürften, verbergen sich im Konten-Reiter.

Apps für andere Plattformen hat Entwickler Realbyte nicht im Angebot. Die einzige Möglichkeit, Statistiken auf einen anderen Bildschirm zu holen, lässt sich in den Einstellungen finden. Gibt man im Browser an einem PC, der sich im gleichen WLAN-Netzwerk befindet, die dort angezeigte Adresse ein, öffnet sich eine Art Web-Version der App. Diese sieht allerdings nicht nur so aus, als hätte sich seit circa 2006 kein Webdesigner mehr mit ihr beschäftigt und bietet nicht den geringsten Mehrwert, sondern stellt darüber hinaus ein gewisses Sicherheitsrisiko dar. Solange die App offen ist, kann jeder, der sich im gleichen WLAN befindet und über die Adresse verfügt, in der Theorie auf diese Informationen zugreifen. Die App rät sogar selber davon ab, die Web-Version in der Öffentlichkeit zu nutzen. Alle, die Wert auf Datenschutz legen und dieses Risiko lieber nicht eingehen wollen, sollten sich also eher nach einer Alternative umsehen. Immerhin kann die App mit einem Passcode von unerwünschten Blicken geschützt werden.

Doch wie fällt nun das Fazit aus zum „Haushaltsbuch des 21.Jahrhunderts“? Der Money Manager ordnet sich unter den Apps seines Genres irgendwo im soliden Mittelfeld ein: Er ist keine einfache Lösung für die schnelle und unkomplizierte Erfassung, aber auch keine Software für Profis, die sich um die Buchführung eines Unternehmens kümmern. Dafür bräuchte es nicht nur mehr Funktionen, sondern auch eine vernünftige Version für den Desktop. Stattdessen richtet sich das Programm an den anspruchsvollen Privatnutzer, der einen Überblick über seine Ausgaben und Einnahmen gewinnen will. Mit ein wenig Einarbeitungszeit und den richtigen Einstellungen kann die App zu einem wertvollen Tool werden – sofern man über Sicherheitsbedenken hinwegsehen kann.

Money Manager (+PC Editing)
Money Manager (+PC Editing)
Entwickler: Realbyte Inc.
Preis: 3,69 €

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