Die Einkaufsliste der Zukunft? – Bring im Test

Bereits Ende 2012 schaffte Bring den Sprung in den AppStore und gehört damit zu den ältesten Einkaufslisten-Apps auf dem Markt. Seitdem ist eine ganze Reihe an unterstützen Plattformen hinzugekommen. Neben dem obligatorischen Android-Ableger veröffentlichte der Entwickler hinter Bring erst vor kurzem eine Version für das Web sowie einen Skill für Amazons Alexa-System. Inzwischen planen Brings Angaben zufolge mehr als zwei Millionen Menschen ihren Einkauf mit der App. Anlass genug, einmal einen genaueren Blick auf die wahrscheinlich beliebteste Einkaufslisten-App im Store zu werfen.

Apps, die eine offline etablierte Aktion in die digitale Welt übertragen, haben traditionell einen schweren Stand. Sie stehen in direkter Konkurrenz mit seit Jahrzehnten etablierten Vorgehensweisen und werden daher nicht selten mit einer Mischung aus Skepsis und Ablehnung betrachtet. Solange die alten Systeme tadellos funktionieren wird der Mehrwert der neuen Konkurrenz schon einmal ungesehen in Zweifel gezogen. Kommentare wie „Wer dafür eine App braucht, dem ist nicht mehr zu helfen“ oder das allseits beliebte „Braucht kein Mensch“ sind Symptome dieser Sichtweise. Dabei können viele digitale Produkte durch einen Funktionsumfang, der über den des analogen Äquivalents hinausgeht, bei genauerem Hinsehen durchaus einen Mehrwert bieten. Ein Beispiel für solch eine Software ist Bring, die als Einkaufslisten-App gegen ein seit Jahrzehnten etabliertes und im Laufe der Zeit wenig verändertes Konzept antritt – und von einigen dementsprechend skeptisch beäugt wird.

Mehrwert für den Einzelnutzer?

Für den Einzelnutzer halten sich die Vorteile von Bring gegenüber dem klassischen Einkaufszettel tatsächlich in Grenzen. Listen, von denen für unterschiedliche Anlässe beliebig viele angelegt werden können, bilden die grundlegende Organisationsebene der App. Anschaffungen für eine Party müssen also nicht unbedingt in der Haushalts-Liste gesammelt, sondern können auch in einer eigens für diese angelegten Liste festgehalten werden. Diese Funktion ist vor allem dann praktisch, wenn Listen mit unterschiedlichen Personengruppen geführt werden sollen. Doch dazu später mehr.

Herzstück einer solchen Liste ist eine Art Raster, das Produkte mit Bild und Namen anzeigt und diese nach der Reihenfolge sortiert, in der sie in den meisten Fällen in Supermärkten zu finden sind. Diese Darstellung sieht nicht nur schick aus, sondern bringt auch in der täglichen Nutzung Vorteile mit sich: Alle Einträge sind auch ohne langes Hinsehen leicht zu erkennen und lassen sich dementsprechend einfach wieder von der Liste streichen. Beim Einkaufen – wenn eine Hand den Einkaufswagen schiebt und ihr Gegenpart alle übrigen Aufgaben übernehmen muss – ist eine Bedienung dank der großen UI-Elemente weiterhin problemlos möglich. Für Besitzer einer Smartwatch mit Android Wear oder watchOS lohnt sich zudem ein Blick auf die Bring-Version für den ganz kleinen Bildschirm, die in dieser Hinsicht noch besser abschneidet als die App fürs Smartphone – und ganz nebenbei selbst den klassischen Einkaufszettel in Sachen Nutzbarkeit übertrumpft.

Schnelles und unkompliziertes Hinzufügen

Das Hinzufügen neuer Items funktioniert schnell und unkompliziert über eine nach Kategorien sortierte Liste oder die Suche, wobei letztere die erste Option im Grunde überflüssig erscheinen lässt. Schlussendlich bringt die Suche Produkte nicht nur sofort zum Vorschein, sondern bietet auch die Möglichkeit, Produkte hinzuzufügen, die Bring eigentlich nicht im Repertoire hat. Sie müssen zwar ohne eigenes Bild auskommen, werden aber immerhin mit ihren Anfangsbuchstaben bebildert und sind so ebenfalls auf den ersten Blick gut zu erkennen. Auf Wunsch können Einträge manuell mit anderen Symbolen versehen werden. Zudem zeigt Bring die zuletzt verwendeten Produkte direkt unter der aktuellen Einkaufsliste an. Smarte Vorschläge basierend auf häufig eingekauften Items wären an dieser Stelle wünschenswert.

Details wie Mengenangaben oder andere Notizen können durch ein langes Drücken auf den entsprechenden Eintrag hinzugefügt werden. Bring hat also beispielsweise nicht für jede der – vorsichtig geschätzt – tausend Variationen, in denen Tomaten vorliegen können, einen eigenen Eintrag parat. Will man nun passierte Tomaten auf die Liste setzen, muss der Zusatz „passiert“ in den Notizen separat hinzugefügt werden. Sicher nicht die eleganteste Lösung – aber eine, mit der es sich durchaus leben lässt.

Die Gefahr regelmäßiger Updates

Um neue Nutzer auf eine App aufmerksam zu machen, sind regelmäßige Updates essentiell. Sie zeigen nicht nur, dass eine App weiterhin gepflegt wird, sondern lenken immer auch neue Aufmerksamkeit auf das digitale Produkt. Für Software wie Bring bedeutet diese Notwendigkeit allerdings immer auch Gefahren. Wird die App zu sehr mit Funktionen überladen, die der eigentlichen Funktionsweise im Weg stehen, könnten sich Nutzer schnell nach einer Alternative umsehen. Mit dem kürzlich veröffentlichen Update ist Bring dieser Spagat gelungen: Die App beinhaltet nun Vorlagen und Rezepte. Während Erstere für wiederkehrende Ereignisse mit ähnlichen Besorgungen gedacht sind, handelt es sich bei Letzteren um eine Art „reduziertes Chefkoch.de“. Unter dem entsprechenden Reiter lassen sich Rezepte finden, deren Zutaten direkt zur Einkaufsliste hinzugefügt werden können.

Einen wirklichen Mehrwert – um das in jeder Produktpräsentation genutzte Buzzword noch einmal zu erwähnen – bietet Bring jedoch trotzdem erst in der Nutzung mit Anderen, die einfach per Mail eingeladen werden können. Die App syncronisiert den Inhalt dieser automatisch und ohne große Probleme zwischen verschiedenen Geräten und Betriebssystemen, von denen Bring einige unterstützt, hin und her. Probleme mit doppelt oder gar nicht vorkommenden Elementen kamen in den Monaten, in denen Bring täglich im Einsatz war, nicht vor.

Clevere Mitteilungs-Funktion

Dieses Prinzip der geteilten Einkaufsliste erweiterte das schweizer Entwicklerstudio „Bring Labs“ um eine clevere Mitteilungs-Funktion, die eine gemeinsame Nutzung der App deutlich vereinfacht. Mit nur einem Klick kann allen anderen Nutzern per Push-Nachricht mitgeteilt werden, wenn man die Liste ändert oder gerade Einkaufen geht. Diese Mitteilungen halten alle Beteiligten auf dem gleichen Stand und bieten die Möglichkeit, kurzfristig Produkte auf die Einkaufsliste zu setzen. Und genau hier liegt der angesprochene Mehrwert gegenüber der etablierten Offline-Lösung. Zwar kann man einander auch in der analogen Welt Einkaufszettel zukommen lassen – Änderungen sind ohne Anruf oder Nachricht aber nicht möglich. Und wenn es eines digitalen Tools bedarfs, um bestimmte Funktionen abzubilden – dann kann auch gleich komplett auf ein solches umgestiegen werden.

Für den einzelnen Nutzer, der ohne Smartwatch unterwegs ist, lohnt sich Bring tatsächlich nur bedingt. Zieht man die Features zur gemeinsamen Nutzung einer Liste ab, macht die App das Smartphone zu einem großen digitalen Einkaufszettel, der im Gegensatz zu seinem analogen Gegenstück weder fallengelassen noch irgendwo vergessen werden sollte. Kauft man jedoch öfter für den Partner beziehungsweise die Partnerin, die WG oder die Familie ein, kann die App ihr volles Potential ausspielen – und vermeidet ganz nebenbei Missverständnisse, die durch den klassischen Einkaufszettel entstehen können.

Bring! Einkaufsliste
Bring! Einkaufsliste
Entwickler: Bring! Labs AG
Preis: Kostenlos
Bring! Einkaufsliste
Bring! Einkaufsliste
Entwickler: Bring! Labs AG
Preis: Kostenlos

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