Die App für jeden NBA-Fan? – NBA-App im Test

In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober geht die NBA mit der Partie zwischen den Boston Celtics und den Cleveland Cavaliers in ihre neue Saison. Während die 30 Teams in ihren jeweiligen Konferenzen um einen Platz in den Playoffs kämpfen, ist es für den NBA-Fan nicht einfach, den Überblick über Spielergebnisse und Nachrichten zu behalten. Die offizielle NBA-App soll Abhilfe schaffen. Lohnt sich der Download? Oder sollte man doch lieber auf eine der Alternativen zurückgreifen?

Als unbedarfter europäischer Sportfan schaut man zwangsweise mit etwas Verwunderung auf die Basketball-Liga jenseits des Atlantiks. Während sich hierzulande Star-Spieler ungestört in einem finanzstarken Team sammeln können, um ihre Liga nach Belieben zu dominieren, machen merkwürdige (und so gar nicht kapitalistische) Ideen wie eine Gehaltsobergrenze dieses Unterfangen in der NBA deutlich schwieriger. Superteams werden dadurch nicht unmöglich, erfordern aber eine Kombination aus Glück und gutem Management. Letzteres bezieht seine finanziellen Ressourcen von einer Besitzergruppe oder reichen Einzelpersonen – ein weiterer Unterschied zum europäischen Sport-System, in dem Fans die Fahnen der Tradition hochhalten und sich gegen einen vermeintlichen Ausverkauf ihrer ihres Sports zunemend zur Wehr setzen. Was in der Fußball-Bundesliga in Form von Projekten wie Hoffenheim oder Leipzig auf Ablehnung trifft, ist in den USA längst Normalität. Alle 30 NBA-Teams sind – ebenso wie ihre Äquivalente in der NFL – für ihre Besitzer nicht viel mehr als teure Spielzeige, mit denen sie mal mehr, mal weniger gut umgehen.

Ein ungewöhnlicher Spielplan

Der aus Sicht der Fans wahrscheinlich größte Unterschied findet sich derweil im Spielplan. Mit 82 Partien, die jedes Team in der regulären Saison absolvieren muss, ist diese nicht nur deutlich länger als jede Sport-Saison in Europa – sie folgt zusätzlich dazu keinem wirklich erkennbaren System. Obwohl das Konzept des traditionellen Spieltags auch hierzulande zunehmend aufweicht, kann sich der Fußball-Fan doch darauf verlassen, sein Team mit einer gewissen Regelmäßigkeit spielen zu sehen. Anders verhält es sich mit der NBA: In der besten Basketball-Liga der Welt kommt es nicht selten vor, dass Teams ein paar Tage aussetzen, um dann in kurzer Zeit vier Spiele absolvieren zu müssen. Dieses System macht es für den NBA-Fan nicht einfach, ständig informiert zu sein – zumal Boxscores und News hierzulande selbst auf großen Sport-Webseiten häufig eine Randnotiz bleiben.

Die offizielle NBA-App soll Abhilfe schaffen und dem in der Nische sitzenden NBA-Fan im Reich des König Fußballs mit den benötigten Informationen versorgen. Pünktlich zum Tipp-Off der Saison 2017/2018 in der Nacht vom 17. Auf den 18. Oktober ist es Zeit, einmal einen genaueren Blick auf diese zu werfen. Trifft die NBA-App die Bedürfnisse des Fans so sicher wie Steph Curry den Korb beim Dreipunktwurf? Oder wird sie zum Bust, der die hohen Erwartungen nicht erfüllen kann?

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die offizielle NBA-App nicht allzu sehr von klassischen News-Applikationen. Ebenso wie viele dieser teilt sich das Programm mit einer Leiste am unteren Bildschirmrand in die vier Bereiche Spiele, Neuste (eine der vielen eher missglückten Übersetzungen), Videos und Ergebnisse auf. Hinter letzterem lassen sich – anders als es die Bezeichnung vielleicht vermuten lässt – Tabellenstände und Bilanzen für Liga, Konferenz und Division finden. Im Hochkant-Modus beschränkt sich diese Tabelle auf das Verhältnis von Siegen und Niederlagen, die daraus resultierende „Winning-Percentage“ und die Anzahl der Siege, die ein Team hinter dem ersten Tabellenplatz zurückliegt.

Freudentränen für jeden Basketball-Fan

Erst im Landscape-Modus entfaltet sich die volle Statistik-Pracht, die jedem Basketball-Nerd die Freudentränen ins Gesicht treibt. Neben der Bilanz gegen Teams der jeweiligen Konferenz und Division findet sich dort eine Übersicht über Siege und Niederlagen in Heim- und Auswärtsspielen, die Bilanz der letzten zehn Partien und eine eventuelle Serie an gewonnenen oder verlorenen Spielen. Eine clevere Design-Entscheidung der Entwickler: Die vier Haupt-Kategorien sind für den schnellen Überblick vollkommen ausreichend, während die Landscape-Ansicht verhindert, dass in der Tabelle seitlich gescrollt werden muss. (Eine der schlimmsten Design-Sünden auf mobilen Geräten überhaupt.)

Auch auf den einzelnen Team-Seiten kommen NBA-Nerds auf ihre Kosten: In den drei Tabs Info, Spielplan und Mannschaftsaufstellung finden sich alle wichtigen Informationen, Daten und Bilanzen. An dieser Stelle macht sich bemerkbar, dass der Anbieter direkt an der Quelle sitzt. Alle Informationen sind jederzeit aktuell: Wird ein Spieler von seinem Team entlassen oder zu einem anderen transferiert, taucht er bereits kurz danach nicht mehr im Kader seines ehemaligen Arbeitgebers auf. Eine ebenso starke Figur macht die offizielle NBA-App bei der Aufbereitung der einzelnen Partien. Ein ausführlicher Teamvergleich mit Statistiken und der Boxscore bieten genug Material, um eine Partie am Morgen danach bis ins Detail zu analysieren. Im Boxscore ist es merkwürdigerweise möglich, in der Tabelle zu scrollen, während die Landscape-Ansicht nicht durch ein Kippen des Geräts, sondern per Tipp auf einen Button aktiviert werden muss. Es ist nicht die einzige Stelle, an der sich Ungereimtheiten finden lassen: Manchmal wirkt es so, als hätten zwei Entwickler-Teams unabhängig voneinander an verschiedenen Aspekten der App gearbeitet, ohne währenddessen miteinander zu reden.

Dabei herausgekommen sind die mittig platzierten Elemente der angesprochenen Leiste am unteren Rand des Bildschirms, die qualitativ allenfalls auf Niveau der Entwicklungsliga G-League bewegen. Die „Auswahl des Herausgebers“ klingt zwar vierversprechend, ist aber nicht viel mehr als eine scheinbar willkürlich zusammengestellte Mischung aus Videos, Spielergebnissen und kurzen News, die im Twitter-Feed jedes NBA-Fans wahrscheinlich schon am Tag zuvor kursierten. Auch die Videos sind für sich genommen eher enttäuschend: Sie sind nie länger als drei Minuten – und zeigen meist eine sehenswerte Aktion, zusammengeschnittene Highlights oder einen kurzen Interview-Ausschnitt. Als kostenlos zugängliche Inhalte fungieren sie als eine Art Appetithappen, der die Nutzer zum Kauf des bis zu 250 Euro teuren „League Pass“ bewegen soll, mit dem sich alle Spiele live oder on demand verfolgen lassen. Auch NBA TV – ein ganzer Sender rund um die Liga – ist Bestandteil des Pakets. Während die App für zahlende Abonnenten zum Multimedia-Angebot wird, sucht man den Mehrwert der „Auswahl des Herausgebers“ für den normalen Nutzer doch eher vergeblich.

Kleinere Probleme

Über die gesamte App verteilt finden sich kleinere Probleme, die für sich genommen nicht schlimm wären, zusammen aber den Gesamteindruck der App deutlich schmälern. Viele seiner interessanten Funktionen versteckt das Programm nicht nur hinter einem Hamburger-Menü – sie lässt sie zusätzlich dazu in einem internen Browser ablaufen, der hin und wieder mit kleineren und größeren Problemen zu kämpfen hat. Wer mehr über einen Spieler wissen will als seine Punkte, Assists und Rebounds pro Partie – findet sich im Browser wieder. Wer wissen will, wann er in Deutschland NBA-Basketball verfolgen kann – findet sich im Browser wieder. Wer im Free Agent Ticker nachsehen will, wo die Spieler ihre neuen Verträge unterschreiben – findet sich ebenfalls im Browser wieder. Warum die Entwickler diese wichtigen Funktionen de facto auslagerten, anstatt sie direkt in die App zu integrieren, wissen wohl nur sie selbst. Für den Nutzer wäre dies die wesentlich bequemere Lösung gewesen.

Die offizielle NBA-App bringt das Potential mit, zur Standard-App jedes Statistik-Fans zu werden. Auch wenn einige Daten in den Tiefen der App versteckt oder in einen mittelmäßigen Browser ausgelagert werden, sind diese an Tiefe trotzdem kaum zu überbieten. Wer ausführliche Nachrichten oder gar gut geschriebene Artikel sucht, ist in anderen Programmen jedoch deutlich besser aufgehoben.

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁
NBA App
Preis: Kostenlos+