Offene Räume und enge Boxen – Die Geschichte der Bürogestaltung

Man muss kein Geek sein, um genau zu wissen, wie Apples neue Firmenzentrale aussieht. Kaum ein anderes Gebäude tauchte seit Baubeginn im Jahr 2013 öfter in den Medien auf als der von Star-Architekt Norman Foster entworfene „Apple Campus II“. Inmitten von Cupertino – nur einen Steinwurf von der alten Zentrale entfernt – entsteht seitdem ein wahrer Palast aus Glas und Stahl, der schon bald alle relevanten Abteilungen des Konzerns unter einem Dach beherbergen soll. Es dauerte nicht lange, bis der Kreisrunde Ring, der einen gigantischen Park umschließt, in der Stadt und den Medien seinen Spitznamen erhielt: „Raumschiff“.

Was als Lob für Fosters modernes und nie zuvor dagewesenes Design gedeutet werden kann, macht fast nebenbei ein großes Problem des Komplexes deutlich. Wie bei einem tatsächlichen Raumschiff sind die Nutzungsmöglichkeiten des „Apple Campus II“ für alle anderen massiv eingeschränkt. Es wird schwer, wenn nicht sogar unmöglich, das genau auf die Bedürfnisse des Weltkonzerns zugeschnittene Gebäude später einmal für andere Zwecke zu nutzen. Sollte Apple sein Raumschiff – aus welchen Gründen auch immer – irgendwann einmal verlassen, stünde Cupertino mit einem 260.000 Quadratmeter großen „Weißen Elefanten“ dar, für den niemand eine Verwendung hätte. Nun ist Apple natürlich weit davon entfernt, Cupertino zu verlassen oder gar bankrott zu gehen – doch die Chance ist nicht gering, dass die Stadt selbst ihren berühmtesten Konzern überlebt. In der englischsprachigen Wired fand Kolumnist Adam Rogers deutliche Worte: „If You Care About Cities, Apples New Campus Sucks“, schreib Rogers in einem ausführlichen Artikel über Apples gigantisches Bauprojekt.

„If You Care About Cities, Apples New Campus Sucks“ – Adam Rogers

Nicht nur von außen, auch von innen zieht der fünf Milliarden Dollar teure Bau teils herbe Kritik auf sich. Die offene Bürostruktur ohne viele Trennwände und Türen stößt bei vielen Mitarbeitern Berichten zufolge auf Ablehnung. Für Aufgaben, die volle Konzentration und Fokus erfordern, seien diese Büros schlicht nicht geeignet. Zudem würden ruhigere Kreativräume fehlen, in die sich die Angestellten wenn nötig zurückziehen könnten. Obwohl Apples Führungskräfte auf einer eigenen Etage private Büros beziehen, finden sich auch dort Unterstützer des Protests. So soll Johny Srouji, Chef der Prozessor-Abteilung bei Apple, mit der inzwischen zum geflügelten Wort gewordenen Tirade „Fuck that, fuck you, fuck this, this is bullshit“ reagiert haben, als man ihm die Pläne zum ersten mal vorlegte. Für die ihm unterstellten Mitarbeiter setzt Srouji bereits ein eigenes Gebäude abseits des Raumschiffs durch, das dem offenen Konzept des restlichen Campus nicht folgen muss.

Natürlich ist Apples Zentrale kein Einzellfall. Überall auf der Welt bringen Menschen ihre Arbeitszeit in Büros zu, die mit „problematisch“ noch recht wohlwollend umschreiben sind. Laute Großrumbüros ohne Privatsphäre; einengende und schlecht beleuchtete „Cubicles“, mit denen das Wohlbefinden der Mitarbeiter auf dem Altar der Kostenoptimierung geopfert wird – selbst nach 500 Jahren ist das Konzept Büro noch weit davon entfernt, für alle Beteiligten optimal zu sein. Nichts könnte dies besser verdeutlichen als das vermeintliche Scheitern Apples: Wenn es nicht einmal der wertvollsten Firma der Welt gelingt, das optimale Büro zu bauen – wem dann?


Keine Erfindung hipper Start-Ups – Die frühen offenen Büros

Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Jeff dean in der Wikipedia auf Englisch – Übertragen aus en.wikipedia nach Commons., Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2849798

Die offenen Büros, die heute Unternehmen rund um den Globus beherbergen, sind keinesfalls Erfindungen hipper Start-Ups. Im Gegenteil: Sie sind ein Schritt zurück an die Anfänge.

Die Idee der Büroarbeit gewann in der Moderne spätestens Mitte des 16. Jahrhunderts zunehmend an Popularität. Größere Wirkungsbereiche bedeutender Unternehmen und der zunehmender Handel mit Geld machten umfangreichere Verwaltungen notwendig, die irgendwo untergebracht werden mussten. Viele der ersten Banken verfügten über große Hallen, in welchen die Mitarbeiter an in langen Reihen aufgestellten Schreibtischen saßen. Büroarbeit unterscheid sich damals nicht allzu sehr von der Fließband-Technik, mit der Henry Ford ein paar Jahrhunderte später die Automobilproduktion revolutionieren sollte. Diese außerhalb der Führungsetage angesiedelten Mitarbeiter waren nicht da, um ihr Wissen in Prozesse einzubringen – sie sollten lediglich den immer gleichen Arbeitsschritt möglichst effizient ausführen. Dass sie dabei alle in einem Raum saßen, hatte vor allem wirtschaftlich Gründe: Großraumbüros waren für ihre Besitzer wesentlich günstiger als kleinere Privat-Büros.

Das Konzept des Großraumbüros wurde im Laufe der Jahre unter den Arbeitgebern immer populärer. Im 18. und 19. Jahrhundert verrichteten die meisten Büroarbeiter ihren Dienst in entsprechend gestalteten Gebäuden – meist durch einen Korridor in der Mitte getrennt, manchmal auch um eine Art Artrium herum platziert. Seinen endgültigen Durchbruch erreichte das offene Großraumbüro mit der im Jahr 1936 erbauten Firmenzentrale der „Johnson Wax Company“. In der amerikanischen Kleinstadt Racine im Bundesstat Wisconsin errichtete Star-Architekt Frank Lloyd Wright ein Büro, das in der Folge zum Goldstandard für offene Büroräume werden sollte. Anstatt die Mitarbeiter an in langen Reihen aufgestellte Schreibtische zu setzen, erhielt jeder Angestellte seinen eigenen Arbeitsplatz.

Jedes architektonische Detail gestaltet der Star-Architekt mit dem Ziel, den Angestellten möglichst effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Überall im Raum ragten pilzförmige Säulen aus dem Boden. Sie gaben der Halle Struktur, sorgten für Blickschutz – und trugen das Glasdach, das den Raum mit ausreichend natürlichem Licht flutete. Wright schaffte es, scheinbar Widersprüchliches in einem Raum zu vereinbaren: Obwohl die Mitarbeiter nur wenige Meter voneinander entfernt saßen, schafften Einzelschreibtische und die zwischen ihnen platzierten Säulen doch ein gewisses Maß an Privatsphäre. Die privaten Büros der Führungskräfte platzierte der Architekt leicht erhöht um das Großraumbüro herum, wodurch diese die ihnen unterstellten Mitarbeiter immer im Blick hatten. Ironischerweise wollte das Mastermind hinter dem legendären „Fallingwater“ mit seinem Design das genau Gegenteil dessen erreichen, weswegen so viele CEOs heute auf offene Büros setzen. Einzelschreibtische und die ständige Beobachtung durch die Chefetage sollte die Mitarbeiter davon anhalten, sich zu bewegen oder mit Kollegen zu kommunizieren. Vor allem in Asien und den USA kopierten viele Chefs Wrights Konzept – ohne auf die feinen architektonischen Details zu achten, die dieses so gut gemacht hatten.

Büroräume sind immer auch ein Spiegel der Zeit. Sie zeigen nicht nur, wie viel Geld zu einer gewissen Zeit in den Kassen oder welcher Architekturstil unter Firmenbesitzern gerade in Mode war – sondern vor allem, was die Chefs in ihren Mitarbeitern sahen. War die Führungsetage der „Johnson Wax Company“ 1936 noch der Meinung gewesen, die Angestellten zu kontrollieren und jede Interaktion zwischen ihnen unterbinden zu müssen, wandelte sich das Bild des idealen Mitarbeiters in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zusehends. Er sollte nun nicht mehr nur repetitive Aufgaben erledigen, sondern als „knowledge worker“ sein Wissen in Unternehmen einbringen. Zusammen mit den immer flacher werdenden Hierarchien veränderte dieser Wandel in einigen Firmen die Gestaltung von Büroräumen von Grund auf. Konzepte wie die in Hamburg entwickelte „Bürolandschaft“ verteilten Möbel freier und somit natürlicher im Raum, um den Austausch unter den Kollegen zu fördern. Auch die klare räumliche Abgrenzung von Vorgesetztem und Mitarbeiter fiel diesem Wandel zum Opfer: Der Chef saß nun nicht mehr über seinen Angestellten und überwachte deren Arbeit – er befand sich im gleichen Raum; wortwörtlich auf einer Stufe mit seinen Mitarbeitern.

All diese fortschrittlichen Ansätze konnte jedoch nicht über den größten Nachteil der „Bürolandschaft“ hinwegtäuschen: Richtig umgesetzt konnte ein Raum, der diesem Konzept folgte, schnell sehr teuer werden. So bleib „Bürolandschaft“ ein Konzept für die Nische, das den Schritt aus dieser hinaus nie wirklich schaffte. Denn Büroräume sind ein Spiegel der Zeit – und diese sollte schon bald deutlich rauer werden.


Leben in der Kiste – Die „Cubicles“

By Asa WilsonCubeSpace, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9716742

Die 60er Jahre hatten gerade begonnen, als Designer und Erfindern Robert Probst ein ungewöhnlicher Auftrag erreichte. Sein Ergebnis sollte das Leben von Millionen Arbeitnehmern für den Rest des Jahrhunderts prägen – und später von Probst selber abgelehnt werden.

Rund zwanzig Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wurde immer deutlicher, dass althergebrachte Büros den Anforderungen der modernen Arbeitswelt nicht mehr gewachsen waren. Die noch immer weit verbreiteten offenen Großraumbüros, in denen alle Mitarbeiter nebeneinander an langen Schreibtischen saßen, brachten neben der nicht vorhandenen Individualisierung vor allem ein Problem mit sich: Fehlende Privatsphäre. Wer in einem solchen Raum seine tägliche Arbeit verrichtete, musste ständige soziale Kontrolle fürchten, befand er sich doch die ganze Zeit über im Blickfeld der Kollegen und des Chefs. Zudem sorgten massentauglich gewordene Erfindungen wie Telefon und Fernschreiber für eine beachtliche Geräuschkulisse. Mit dem neuen Bild des „knowledge workers“ ließ sich eine solche Bürogestaltung nicht mehr vereinbaren.

Probst wollte diese Probleme angehen – und bündelte seine vielen Ideen schließlich in einem „Action Office“ getauften modularen Büro-System. Der Designer brach die Ausstattung eines Büros dafür auf viele – durch halbhohe Wände voneinander getrennte – Elemente herunter, die in einem 120 Grad Winkel zueinander aufgestellt werden sollten. Dieses durch den Nachfolger „Action Office II“ optimierte gab Privatsphäre, ohne die Kommunikation im Keim zu ersticken; ermöglichte Individualisierung, ohne die Kosten in die Höhe zu treiben. Probst glaubte, Arbeitnehmern auf der ganzen Welt zu mehr Autonomie zu verhelfen – und erreichte letztendlich genau das Gegenteil.

Zwar wurde das „Action Office II“ tatsächlich zum Welterfolg, seine Käufer führten das Konzept jedoch ad absurdum. Anstatt die Elemente wie ursprünglich gedacht aufzustellen, ordneten immer mehr Büromanager die modularen Teile in einem 90 Grad Winkel zueinander an, wodurch kleine rechteckige Boxen entstanden. In vergleichsweise kleinen Büroräumen konnten so vergleichsweise viele Mitarbeiter untergebracht werden, was das „Action Office“ gerade in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise zu Beginn der 70er Jahre zu einer beliebten Alternative machte. Platz musste nun so effizient wie möglich ausgenutzt werden, um trotz hoher Mieten weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können. Obwohl auch diese Krise nicht ewig hielt, hinterließ sie doch ihr rechteckiges Erbe: Schätzungen zufolge arbeiteten 1997 rund 40 Millionen US-Amerikaner in den „Cubicles“ genannten Boxen.

Diese Nutzung lief diametral dem Ziel entgegen, das Probst mit seinem Konzept ursprünglich einmal hatte erreichen wollen. Anstatt eine Art „offene Privatsphäre“ zu schaffen, hatte das „Action Office II“ Millionen Mitarbeiter in kleine Boxen verbannt, in denen sie bei schlechtem Licht und noch schlechterer Belüftung ihre Zeit verbringen mussten. Wenig überraschend ging die Produktivität merklich zurück, während der Krankenstand ungekannte Höhen erreichte. Zudem zeigte sich bald ein ganz anderer Effekt, unter dem das Arbeitsklima litt. „Cubicles“ gaben lediglich die Illusion von Privatsphäre, ohne wirklich für selbige zu sorgen. Schließlich saßen die Kollegen nach wie vor nur ein paar Meter voneinander entfernt – die meist grauen Wände nahmen sie lediglich aus dem Sichtfeld. Studien zeigen, dass diese Konstellation unkollegiales Verhalten förderte: Da die Reaktionen der Kollegen nicht sichtbar werden, seien Arbeitnehmer in „Cubicles“ demnach eher bereit, stark riechendes Essen mitzunehmen oder laut zu telefonieren.

„The cubileizing of people in modern corporations is monolithic insanity“ – Robert Probst

Umso überraschender ist es, dass man beim Herstellerselbst fast von Beginn an um die Gefahren des Systems wussten. George Nelson, der lange an der Entwicklung beteiligt war, das Team jedoch später verlassen musste, war einer der ersten prominenten Kritiker des „Cubicles“. Noch heute berufen sich Gegner des „Cubicles“ auf sein berühmtes „Walking Dead“-Zitat, wenn über Bürogestaltung diskutiert wird. Die kleinen Boxen seien letztendlich ein Weg, möglichst viele Leute möglichst kostengünstig auf möglichst kleinem Raum unterzubringen. Auch Probst selbst zeigte sich von der Nutzung des von ihm erdachten Konzepts immer wieder enttäuscht. 1997 – drei Jahre vor seinem Tod – gab er der New York Times eines seiner letzten Interviews. Für die damals populären „Cubicles“ hatte er nur einen Satz übrig: „The cubileizing of people in modern corporations is monolithic insanity“. Bei Herman Miller scheint man derweil weiter an das „Action Office“ zu glauben. Zusammen mit einigen ähnlichen Serien präsentiert der Möbelhersteller die Serie nach wie vor auf seiner Webseite. Modern und flexibel statt grau, dunkel und angestaubt – so soll das „Action Office“ den Weg zurück in die Büros schaffen. Doch dort wartet ein mächtiger Gegner.


Die Rückkehr – Die offenen Büros der Moderne

Ob jungen Start-Up oder etablierte Aktiengesellschaft: Jeder scheint seine Mitarbeiter heute in modernen offenen Büros unterbringen zu wollen. Das Konzept hat seinen zweiten Siegeszug angetreten – doch auch die kritischen Stimmen werden zunehmend lauter.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends dominiert eine neu-alte Form der Bürogestaltung die Arbeitsplätze dieser Welt: Offene Großraumbüros. Neusten Schätzungen zufolge arbeiten rund 70 Prozent aller Büro-Arbeiter in den USA inzwischen in entsprechend gestalteten Räumlichkeiten. Anstatt seine Mitarbeiter nach Teams oder Position sortiert in kleineren Räumen unterzubringen, platzieren nicht wenige Unternehmen die Angestellten heute in einem zentralen Raum; manchmal sogar an einem zentralen Schreibtisch. Diese offenen Strukturen sollen die Transparenz und Kommunikation fördern: Weniger Wände und Türen machen das Management erreichbarer, den Ideenaustausch zwischen Teams und Hierarchieebenen einfacher. Zudem sparen Büros dieser Art dem Arbeitgeber bares Geld: Jeder Quadratmeter kostet – und je weniger von ihnen benötigt werden, desto besser.

Das offene Großraumbüro hat unbestreitbar seine Nachteile, die in den vergangenen Jahren immer mehr kritische Stimmen laut werden ließen. Solche Räume seien weder gut für die Produktivität, noch für die Zufriedenheit der Mitarbeiter, zitierte die BBC Anfang des Jahres den Firmengründer Chris Nagele. Vor vier Jahren hatte er seine Firma in offene Büroräume umgezogen, wo die Unzufriedenheit schnell ungekannte Ausmaße erreichte. „Sie [die Mitarbeiter] bekamen im Büro nie alles erledigt und mussten mehr von zu Hause machen“, so Nagele. Er brach das Experiment ab – und zog mit seinen neun Mitarbeitern in ein neues Office um. Zufriedenheit und Produktivität stiegen in der Folge wieder merklich an.

Was Nagele bei seinen Mitarbeitern beobachtete, findet sich auch in vielen Umfragen wieder. Rund die Hälfte aller Arbeiter, die ihren Tag in offenen Büros verbringen, stören sich an der Geräuschkulisse. Mehr als 40 Prozent fehlt ein ausreichendes Maß an Privatsphäre. Studien zeigen, dass diese Kombination für mehr Ablenkungen und ein höheres Stress-Level sorgt, während Konzentration und Motivation sinken. Selbst der positive Einfluss auf die Kommunikation ist heute umstritten: Um Kollegen nicht zu stören, würden Konversationen häufig kürzer und oberflächlicher ausfallen als in anderen Büroformen. Ruhigere Räume für konzentriertes Arbeiten können diese Probleme nur teilweise lösen: Nicht wenige Mitarbeiter fühlen sich nicht wohl dabei, ihre Kollegen zu verlassen – oder deuten diese „Flucht“ bei sich sogar als Schwäche. Ob man offene Büroräume mag, scheint derweil eine Generationenfrage zu sein. Junge und ältere Arbeitnehmer empfinden die Nachteile gleichermaßen störend – die jüngere Generation nehmen diese jedoch eher hin als die Kollegen, die mit einer anderen Art der Bürogestaltung sozialisiert wurden.

Die Suche geht weiter

Selbst nach über 500 Jahren ist die optimale Büroform noch nicht gefunden. In offenen Büros leiden Konzentration und Produktivität, „Cubicles“ nehmen mit ihrer Enge die Motivation, kleinere private Büros gehen schnell ins Geld – jede Form bringt unbestreitbar ihre Nachteile mit sich, die es letzlich gegeneinander abzuwägen gilt. Für den Arbeitgeber ebenso wie für den Angestellten. „Großraum-Büros sind für mich, so leid es mir tut, einfach ein Kündigungsgrund“, schreib ein Nutzer beispielsweise unter einer Meldung bei Winfuture, die Apples neues Hauptquartiert zum Thema hatte. Zwar könne er sich tatsächlich vorstellen, von den Kollegen inspiriert zu werden, die akustischen Störungen machten Großraumbüros für konzentriertes Arbeiten jedoch zu einem „absoluten Alptraum“. Andere Kommentatoren thematisieren das verstärkte Konfliktpotential: je mehr Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Meinungsverschiedenheiten kommt.

„Großraum-Büros sind für mich, so leid es mir tut, einfach ein Kündigungsgrund“

Solche Beiträge zeigen das veränderte Selbstverständnis vieler Arbeitnehmer. Sie sind längst keine einfach zu ersetzenden Arbeiter mehr. Sie sind Fachkräfte, die um ihren Wert für das Unternehmen wissen und entsprechende Ansprüche stellen. Und wer begehrt ist, kann auch die Gestaltung der Büroräume in die Wahl seines Arbeitgebers einfließen lassen. Nicht umsonst betonen Unternehmen in Stellenanzeigen neben den Gehaltsaussichten auch ehemalige Nebensächlichkeiten wie die Gestaltung der Büros.

Es scheint so, als seien Mitarbeiter-Zufriedenheit und bezahlbare Mieten vor allem in teuren Städten aktuell kaum zu vereinbaren. Und selbst wenn in der Theorie alle erdenklichen Ressourcen zur Verfügung stehen, ist die Zufriedenheit aller Beteiligten noch lange nicht garantiert – wie ein Blick auf die kontroversen Diskussionen rund um den „Apple Campus II“ zeigt. Die Suche geht weiter.