Eine lang erwartete Enttäuschung – NBA Live Mobile im Test

Auch nach dem großen Update gilt für NBA Live mobile größtenteils das, was ich schon vor rund eineinhalb Jahren in meinem Testbericht für das PXLMAG schrieb. Während die NBA 2k – Reihe auch auf dem Smartphone eher in die Richtung einer Simulation geht – sofern dies auf mobilen Geräten überhaupt möglich ist – bleibt NBA Live Mobile auch nach dem großen Neustart das arcadigere Spiel. Die ohnehin schon simple Steuerung des großen Konkurrenten wurde von EA noch weiter heruntergebrochen: Wie schon in Season Eins beschränken sich die offensiven Möglichkeiten auf Sprinten, Passen und Werfen. Am anderen Ende des Feldes gesellt sich in der Defensive ein Knopf für einen Block-Versuch zum Guard-Button, mit welchem sich sich ein Gegenspieler enger verteidigen lässt. In den Einstellungen kann zudem ein Knopf zum manuellen Wechseln des Spielers hinzugeschaltet werden, der zumindest meinem Spieltsil eher entgegenkam als der nicht immer zufriedenstellend funktionierende automatische Spielerwechsel. Vor allem in der offensive ist diese Reduzierung deutlich zu spüren. Wo in NBA 2k immerhin noch ein einfaches Pick-and-Roll gelaufen werden kann, fehlen in Live Mobile taktische Optionen nahezu komplett. Diese Designentscheidung senkt die Einstiegshürde zwar auf eine Höhe ab, die auch von Anfängern problemlos übersprungen werden kann, nimmt dem Spieler im Gegenzug jedoch ein gewisses Maß an Kontrolle.

Spektakulärer als die Realität

Auf den ersten Blick hat sich nicht allzu viel verändert.

Ob ein offensiver Ballbesitz letztendlich im Korberfolg resultiert, ist nicht selten Glückssache: Spieler stehen sich gegenseitig auf den Füßen, Big Man stellen völlig nutzlose Blöcke und hin und wieder entscheiden alle Akteure ohne Ball, die Bewegung in der Offensive kollektiv einzustellen. Hinzu kommen die ganz groben taktischen Schnitzer. Übernimmt ein anderer Spieler als der Point Guard den Spielaufbau, bleibt dieser manchmal so lange völlig deplatziert an der Mittellinie stehen, ehe er den Ball wieder in die Hände bekommt. Das Paradoxe an der Sache: NBA Live Mobile macht trotzdem Spaß. Schöne Spielzüge, gut herausgespielte offene Dreier und krachende Dunks, die trotz der limitierten offensiven Möglichkeiten funktionierten,ließen mich umso zufriedener zurück. An mehr als nur einer Stelle im Spiel wird deutlich, dass es sich an die größtmögliche Nutzerschaft richtet – Man kann NBA Live Mobile problemlos spielen, ohne von Taktik und Spielzügen auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben. EAs virtuelle Version der NBA setzt auf den kleinsten gemeinsamen basketballerischen Nenner. Und der liegt nunmal näher an den spektakulär aufspielenden Golden State Warriors als an den taktisch mindestens ebenso brillianten San Antonio Spurs.

Auf das Spiel bezogen bedeutet das: Wie schon in Saison Eins muss der Realismus hinter der spielerischen Inszenierung zurücktreten. So sind viele Dribbel-Moves beispielsweise deutlich effektiver, als sie eigentlich sein sollten. Jedem Point Guard mit halbwegs guter Bewertung eröffnet das doppelte Tippen auf den Drive-Button fast immer den Weg zum einfachen Korbleger. Dreier fallen bei guten Schützen hochprozentig und vor allem von weit draußen, Dunks sehen immer gut aus – Alles ist in NBA Live Mobile ein Stückchen spektakulärer als die Realität. Immerhin kommen die in Saison Eins noch allgegenwärtigen beidhändigen Dunks, bei denen der Spieler aus dem langsamen Traben heraus plötzlich durch die Zone fliegt, um den Ball durch den Ring zu stopfen, nun deutlich seltener vor. Auch die Animationen wurden spürbar verbessert: In NBA Live Mobile verfügen die Spieler nun über mehr Möglichkeiten, den Spalding in Richtung Korb zu befördern. Fans realistischer Basketball-Simulationen sollten trotzdem eher einen Blick auf die insgesamt umfangreichere Reihe von 2k werfen – Oder von mobilen Basketball-Games gleich ganz die Finger lassen.

Abgesehen von den Aktionen auf dem Paltz fällt der Rest der Präsentation vor allem in den modernen NBA-Arenen erstaunlich dünn aus. Parkett, Trikots und die meisten Spieler sehen zwar gut aus – alles andere wirkt jedoch unspektakulär und beinahe generisch. In NBA Live Mobile hört der detailreich gestaltete Bereich mit dem Ende des Parketts nämlich einfach auf. Ersatzbänke fehlen ebenso wie der Anschreibetisch. Und so gut die Spieler gemessen an Mobile Game Standards aussehen, so enttäuschend fällt die optische Gestaltung des Publikums aus. Dieses sieht nicht nur aus, als sei es direkt aus NBA Live 04 ins Spiel übernommen worden, sondern wiederholt zudem loopartig die immer gleichen Bewegungen, ohne wirklich aufs Spielgeschehen zu reagieren. Ein Fakt, der zugegeben erst bei genauerem Hinsehen wirklich auffällt.

Schwächen in der Präsentation

Alternative Plätze wie der Court der Drew-League sorgen für die dringend benötigte Abwechslung.

Deutlich präsenter sind die Schwächen hingegen in einem anderen Bereich: Der Soundgestaltung. Beachtet man nur die Geräuschkulisse, könnte man denken, dass hier keine gut bezahlten Basketballprofis, sondern C-Jugend-Akteure der örtlichen Dorfvereine gegeneinander antreten. Gelegentliche “Defense, Defense” – Anfeuerungsrufe und ein langgezogenes “Threeeee” bei Dreierversuchen (inklusive kurzem Jubel bei Erfolg) sind hier meist schon das höchste der Gefühle. Alles, was die Fans dazwischen so von sich geben, wirkt stellenweise eher wie das gedämpfte Murmeln von Kunstausstellungsbesuchern. Auf einen Kommentar wurde hingegen komplett verzichtet. Obwohl EA die offizielle Lizenz des Sportsenders ESPN besitzt und auf der Konsole immer wieder beweist, wie gut man Sportspiele heutzutage präsentieren kann, bliebt NBA Live Mobile stumm. Ich erwarte ja keine ausführliche Halbzeitshow – aber der ein oder andere lockere Spruch des Kommentatorenduos Mike Breen und Jeff van Gundy wären doch ganz nett gewesen. Auch die Statistiken der einzelnen Spieler sucht man nach wie vor vergeblich.

Ironischerweise wird die Präsentation dann am besten, wenn NBA Live Mobile denn Schritt heraus aus den großen Arenen der besten Basketball-Liga der Welt wagt. Einige alternative Schauplätze wie die kleine College-Sporthalle der Seattle Pacific University oder den Freiplatz am Venice Beach kennen Veteranen bereits aus der ersten Saison – andere sind neu hinzugekommen. Die Trainingshalle, der Platz der “Drew-League” oder die Retro-Arena, die den Charme der 60er und 70er Jahre versprüht, stellen mit ihren Details den dringend benötigten Gegenpol zur immergleichen Optik der modernen NBA Arenen. Bei diesen Spielstätten verzichtet EA im Übrigen gleich komplett auf ein hörbares Publikum und zeigt so fast nebenbei, das auch das beim Zusammentreffen von Ball und Boden entstehende Geräusch völlig ausreichend sein kann.

Leider sind diese Events für meinen Geschmack viel zu selten – womit wir beim Elefanten im Raum angelangt wären: Den Veränderungen Abseits des Platzes. Entwickler EA hat einmal lange auf den Reset-Knopf gedrückt und dem Spiel so zu einem kompletten Neustart verholfen. Von allen in Saison Eins erreichten Meilensteinen bleiben allen Spielern nach dem Update lediglich zwei Relikte: Eine so genannte Legacy-Aufstellung für bestimmte Live-Events und die Saison-Tickets, die einmalig in spezielle Packs umgetauscht werden können. Abgesehen von den kleinen sich daraus ergebenen Vorteilen starten alle Spieler also mit den gleichen Voraussetzungen in die neue Saison, die sich an vielen Bereits bekannten Elementen bedient. Der Saison-Modus hat ebenso den Sprung ins neue Spiel geschafft wie Duelle, Ligen und Natürlich Live-Events. All diese Elemente funktionieren noch immer so wie zuvor: In der Saison werden wie gewohnt vier Viertel gegen CPU-gesteuerte Teams mit echten Lineups absolviert, wobei man anders als in der ersten Saison erst gegen die Reservisten ran muss, bevor sich die erste Garde der jeweiligen Teams die Ehre gibt. Der Duell-Modus wartet hingegen mit Partien gegen Aufstellungen echter anderer Nutzer auf, wobei jeder abwechselnd insgesamt zwei Viertel absolviert.

Grinding als ständiger Begleiter

Neu hinzugekommen sind die Trainer, die alle für einen bestimmten Spielstil stehen.

Die Sets, wenn auch in ihrer Anzahl deutlich reduziert, erfordern wie schon in der ersten Saison eine Vorgehensweise, für die das Wort “Grind” erfunden wurde. Teilweise müssen in Live-Events ähnliche Aufgaben 50 bis 100 Mal wiederholt werden, ehe genug Sammelobjekte für bestimmte Sets zusammenkommen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass es nach der zehnten Wiederholung nicht mehr ganz so viel Spaß macht, den Ball aus bestimmten Zonen heraus auf den Korb zu werfen. Obwohl NBA Live obile hier schon mehr Variation bietet als noch in der ersten Saison, wäre ein wenig mehr Abwechslung doch nicht schlecht gewesen.

Die vielleicht kontroversesten Veränderungen betreffen die Aufstellungen, die EA von Grund auf neu gestaltet hat. Von den fünf Lineups, aus denen jeder in der ersten Saison vor (fast) jedem Spiel wählen konnte, sind nach dem Update gerade einmal zwei übrig geblieben: Eine normale und eine klassische Aufstellung, die wenig überraschend aus aktuellen beziehungsweise ehemaligen NBA-Spielern besteht. Hatte ich vorher die Wahl, mit welcher meiner fünf Aufstellungen ich Saison- oder Duell-Spiele bestreite, bleibt mir nun ein einziges Lineup übrig, das immer und immer wieder benutzt werden muss. Die Klassik-Aufstellung kommt derweil lediglich bei einigen Live-Events ohne viel spielerische Tiefe zum Einsatz. Nicht selten bestehen die Aufgaben daraus, einen einzigen Korb zu werfen. Vor allem zu Beginn sind die Duell- und Saison-Modi daher schlicht langweilig, müssen sie doch mit den fünf gleichen Akteuren absolviert werden. Hinzu kommt, dass es erst ab Level 11 möglich ist, im Aktionen-Tab neue Spieler zu ersteigern. Ja, ihr habt richtig gelesen: Eines seiner essentiellen Features versteckt NBA Live mobile hinter einer Hürde aus stundenlangem, wenig abwechslungsreichen Gameplay.

Dies ist keine Design-Entscheidung, die das Spiel in irgendeiner Hinsicht besser macht. Sie soll den Spieler lediglich dazu bewegen, seine Münzen (oder besser: Sein Echtgeld) in Packs zu investieren, die in diesem Jahr gleich viel kosten, aber weniger Spieler beinhalten. Es ist frustrierend: Immer wieder wirft mir EA durch beinahe wertlose Belohnungen kleine Brocken hin, um den wirklichen Fortschritt in der Folge quälend langsam ablaufen zu lassen. Neu hinzugefügte Funktionen wie der Trainer oder die Ersatzbank erwecken derweil nur den Anschein neuer Tiefe, ohne dieses Versprechen wirklich einzuhalten. Jeder Trainer steht für einen bestimmten Spielstil – auf dem Parkett macht der Coach im Übrigen keinen spürbaren Unterschied – und gewährt abhängig von der Anzahl der passenden Spieler in Aufstellung und Ersatzbank bestimmte Boni. Das ist es – Das sind die Neuerungen, die EA im Vorfeld so groß angekündigt hatte.

Fazit: Macht Spaß – enttäuscht aber trotzdem

Die klassische Aufstellung in der Retro-Arena.

Insgesamt hat mich das Update von NBA Live Mobile eher enttäuscht zurückgelassen. Obwohl sich das Gameplay in meinen Augen durch die vielen neuen Anmationen besser anfühlt als noch in der ersten Saison, sorgt NBA Live Mobile bei mir immer öfter für Momente der Langeweile. Als habe das Entwicklerteam ein Anschauungsbeispiel für moderne Free-to-play Spiele liefern wollen, lässt es seine Konsumenten die immer gleichen Aufgaben absolvieren, um ihnen die Ingame-Währung als Erlösung vom scheinbar ewigen Grind direkt vor die Nase zu halten. Während ich ähnliche Events teilweise fünfzig mal hintereinander absolvierte und stundenlang mit den fünf gleichen Akteure meine Spiele bestritt, nur um Zugang zu einem essentiellen Feature des Games zu erhalten, verlor ich immer wieder die Lust am Weitermachen. Schließlich wusste ich, dass mich erstmal nur noch mehr von dem erwarten würde, was ich schon zur Genüge kannte. Dass ich NBA Live Mobile trotz allem noch immer regelmäßig öffne, hängt mit den tatsächlich interessanten Neuerungen zusammen: Den Spielen außerhalb er modernen NBA-Arenen. Mit einem klassischen Lineup am Venice Beach oder in der Retro-Arena zu zocken, macht trotz der häufig fehlenden Tiefe Spaß – einfach, weil es etwas anderes ist. Denn Abwechslung ist, was NBA Live Mobile nach dem Update vielleicht am meisten fehlt.