Meine Techpodcast-Lieblinge

Podcast gehören sicher zu den besten Dingen, die das Internet bisher hervorgebracht hat. Jedes Mal, wenn ich im Bus sitze, meinen Teil des Putzplans erfülle (verdammtes großes Bad!) oder Einkaufen gehe und dabei einem Podcast lausche, kommt in mir unweigerlich die Frage auf, wie die Menschheit diese Tätigkeiten eigentlich vor der Erfindung des Podcasts hinter sich bringen konnte. In meinen Augen gehören sie zu den besten und praktischsten journalistischen Formaten: Sie lassen sich nebenbei konsumieren, sind für jeden mit Internetanschluss zugänglich – und behandeln jede noch so kleine Nische. Selbst im von König Fußball in alle Ewigkeit beherrschten Deutschland haben es zwei deutschsprachige Basketball-Podcasts in die App meiner Wahl geschafft. Während das Thema Basketball einen nicht zu verachtenden Anteil meiner abonnierten Podcats ausmacht, wird der Rest vor allem von Technik-Podcats in Beschlag genommen. Meine vier Favoriten stelle ich euch in diesem Artikel vor.

Apfelfunk

Apfelfunk ist der einzige Apple-Podcast in dieser Aufzählung – und allein deswegen wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Vor allem vor der Veröffentlichung neuer Software können die Diskussionen der beiden Journalisten Jean-Claude Frick und Mate Kirchner schnell mal in eine Richtung abdriften, die mit “special interest” recht gut umschrieben ist. Die Community derjenigen, die sich für Apple interessieren, mag zwar recht groß sein, – ein dreißigminütiges Gespräch über die Unterschiede zweier iOS Beta-Versionen rufen jedoch wahrscheinlich nur bei einer kleinen ausgewählten Gruppe Begeisterungsstürme hervor.

Trotz des relativ eng gestreckten Rahmens erstreckt sich der Podcast doch über ein erstaunlich breites Themenspekrum. Die beiden Gastgeber besprechen Apple-News, blicken vorsichtig auf die Vorgehensweise der Konkurrenz und Teilen ihre Einrücke neuer Geräte. Dabei lassen sich die beiden nicht dazu hinreißen, ihre ersten Eindrücke den Aufrufzahlen zur Liebe als “Testbericht” zu verkaufen.

Bis Frick und Kirchner ihre abschließende Meinung zu neuen Produkten mit ihrer wachsenden Hörerschaft teilen, können schon einmal mehrere Monate vergehen. Der Apfelfunk ist in Sachen Testberichte so zwar selten aktuell, dafür aber umso fundierter und ausführlicher. Beide Podcaster sind fast ausschließlich im Apple-Universum unterwegs. Fanboys sind die beiden trotzdem nicht. Frick und Kirchner singen keine eineinhalbstündigen Lobeshymnen auf den Konzern aus Cupertino, sondern sprechen Kritikpunkte (von denen es im Jahr 2017 bei Apple so einige gab) offen an. Für Apple-User und allgemein technisch Interessierte kann sich das Einschalten durchaus lohnen.

Der Vergecast

The Verge gehört zu den Dingen, die mich immer wieder an meinem Zeitgefühl zweifeln lassen. Obwohl es manchmal so scheint, als sei die Seite bereits seit Ewigkeiten online, existiert sie doch erst seit 2011. Das von Josh Topolsky ins Leben gerufene Projekte brauchte nur wenige Monate, um sich zu einem der einflussreichsten Tech-Blogs der Gegenwart zu entwickeln und dabei wesentlich ältere Angebote hinter sich zu lassen. Und das völlig zu recht. Mit ihrer umfangreichen News-Sektion, den ausführlichen Testberichten und interessanten Hintergrundartikeln ist The Verge heute nicht mehr aus meinem persönlichen Medien-Mix wegzudenken.

Und was für die Webseite in text- und videoform gilt, trifft auf den Vergecast getauften Podcast auch in audioform zu. Nilay Patel, Dieter Bohn und wechselnden Gästen gelingt es jede Woche aufs neue, den (fast) perfekten Spagat zwischen Expertenwissen und Unterhaltung zu bieten. Thematsich deckt der Vergecast dabei ebenso wie die Webseite nahezu das komplette für den Endnutzer interessante Themenspektrum ab. Die Moderatoren besprechen in kompakten rund eineinhalb Stunden die Nachrichten der Woche, teilen ihre Erfahrungen mit getesteten Geräten und besprechen die großen Themen, die die Technik-Welt beschäftigen, ohne sich dabei in technischen Details zu verlieren. Dieser Blick für den Konsumenten ist es, der den Vergecast für mich persönlich so hörenswert macht. Details wie die Anzahl der Prozessorkerne werden in den auditiven Testberichten zu Randnotizen, , während die Nutzbarkeit im Alltag in den Fokus der Moderatoren rückt. Und das ist es doch, worum es beim Tech-Journalismus gehen sollte, oder?

Bits und so

Für Bits und so müsst ihr neben Interesse für Technik vor allem eins mitbringen: Zeit. Nur selten läuft das Podcast-Team um Timo Hetzel, Alex Olma, Leo Becker und Bastian Wölfle unterhalb der Zwei-Stunden-Marke ins Ziel. Dem Erfolg des Podcats tut seine lange Laufzeit jedoch keinen Abbruch. Bereits seit mehr als einer Dekade veröffentlicht das Quartett im Schnitt einmal wöchentlich eine neue Episode und gehört damit zu den Veteranen der deutschsprachigen Podcast-Landschaft. Zur kurzen geschichtlichen Einordnung: Als die erste der mittlerweile mehr als 550 Ausgaben erschien, waren das iPhone und Android ein respektive zwei Jahre von ihrer ersten Veröffentlichung entfernt.

Diese langjährige Erfahrung im Tech-Journalismus macht sich an vielen Stellen bemerkbar. Bits und so mag zwar nicht ganz so unterhaltsam sein wie der Vergecast, überzeugt dafür aber auf inhaltlicher Ebene umso mehr. Anstatt News nur oberflächlich zu behandeln, tauchen die vier Moderatoren nicht selten tiefer in Themen ein, ordnen den Schritt einer Firma in ein größeres Gesamtbild ein oder wagen die ein oder andere Prognose für die nähere Zukunft. Obwohl Apple in nahezu jeder Ausgabe ein Thema ist – Bits und so als reinen Apple-Podcast zu bezeichnen, würde dem Angebot nicht gerecht. Sowohl auf Software- als auch auf Hardwareseite wagt der Podcast regelmäßig den Blick über den Tellerrand. Vor allem in den wöchentlichen “Picks”, in denen die vier Gastgeber interessante Produkte vorstellen, tritt das allgegenwärtige Thema Apple angenehm in den Hintergrund.

99% Invisible

99% Invisible passt gleich aus mehreren Gründen nicht wirklich in diese Aufzählung. Zum einen, weil es vor allem um Design und nur am Rande um Technik geht. Und zum anderen, weil das Angebot eigentlich kaum noch als Podcast zu bezeichnen ist. Zumindest dann, wenn ein Podcast eurem Verständnis nach aus zwei oder mehr Personen besteht, die mindestens eine Stunde über eine Stunde über ein Thema plaudern. 99% Invisible ist anders. Es ist eher mit einer guten Radio-Reportage als mit klassischen Podcast-Formaten zu vergleichen. In rund dreißig Minuten bereiten Roman Mars und sein Team Woche für Woche interessante Geschichten rund um das Thema Design auf. Dabei geht es nicht nur darum, aus welchem Grund etwas auf eine bestimmte Art und Weise gestaltet wurde – es geht nicht selten auch darum, welchen Einfluss dies auf Gesellschaft, Kultur oder Wissenschaft hat.

99% Invisible liefert die Art von Geschichten, von denen ich vorher nie gedacht hätte, dass sie mich interessieren könnten – geschweige denn, dass sie eine dreißigminütige Radiosendung tragen würden. In Zeiten, in denen auf größtmögliche Aufmerksamkeit ausgelegte Clickbait-Artikel einen (viel zu) großen Teil des Online-Journalismus beherrschen, ist diese Herangehensweise an die Themenauswahl eine willkommene Abwechslung. Bis heute gehört die Episode über die optische Gestaltung der Olympischen Sommerspiele in Mexiko-Stadt 1968 zu meinen absoluten Favoriten.