Für den Preis kaum zu schlagen! – Anker SoundBuds Slim im Test

Neben randlosen Displays gehörte der fehlende Kopfhöreranschluss im vergangenen Jahr zu den größten Trend der Smartphone-Welt. Was Ende 2016 mit dem iPhone 7 begann, setzte sich im letzten Jahr in immer mehr Smartphones aller Preisklassen durch. Von der Oberklasse bis hin zu Modellen der unteren Mittelklasse ließ plötzlich ein Gerät nach dem anderen den von vielen Nutzern geliebten Klinkenstecker weg. Und so häufig dies in Testberichten als Negativpunkt angesprochen wird – eines müssen wir uns wohl eingestehen: Der Kopfhöreranschluss wird nicht wiederkommen. Sein Verschwinden hat vielmehr gerade erst begonnen.

Diese Entwicklung stellt uns als Nutzer vor die Wahl. Setzen wir – je nach Gerät und Betriebssystem – auf USB-C beziehungsweise Lightning-Kopfhörer? Oder reduzieren wir die Kabel mit entsprechenden Bluetooth-Modellen gleich ganz auf ein Minimum? Die Industrie scheint letztere Alternative derweil kollektiv zu bevorzugen. Sowohl Apple als auch Google haben inzwischen drahtlose Kopfhörer im Angebot, die in ihrem jeweiligen Öko-System glänzen. Vor allem die AirPods sind besonders hervorzuheben, lösen sie mit ihrem Case doch eines der bisher größten Probleme kabelloser Kopfhörer: Das Pairing. Im Apple-Universum reicht seit Ende 2016 ein einziges Öffnen einer Klappe, um die AirPods mit iPhone, iPad oder Mac zu verbinden. Auch Google hat seine Pixelbuds mit einigen smarten Funktionen ausgestattet. Obwohl die Echtzeit-Übersetzung aktuell nur rudimentär funktioniert, gibt das Feature doch einen Vorgeschmack auf das, was in Zukunft möglich sein könnte.

Diese technische Entwicklung hat leider ihren Preis. Die AirPods kosten hierzulande 179 Euro, die Pixelbuds von Google ebenfalls. Und auch Modelle von Drittherstellern sind häufig nicht günstig. Jaybirds Run Modelle schlagen mit rund 195 Euro zu buche; Jabras Elite Sport Reihe ist mit circa 250 Euro sogar ein ganzes Stück teuer als Apple und Google. Grund genug, einmal einen Blick auf das andere Ende des Preisspektrums zu werfen. Die SoundBuds Slim von Anker gibt es auf Amazon bereits für rund zwanzig Euro. Wie sich das günstige Bluetooth-Modell so schlägt, lest ihr in diesem Testbericht.

Dem Namen nicht gerecht

Ich war ehrlich überrascht, als ich die SoundBuds Slim aus ihrer Anker-typisch schlicht gestalteten Verpackung zog. Trotz ihres Namens wirkten die Kopfhörer auf den ersten Blick alles andere als klein. Ein Eindruck, der sich bei genauerem Hinsehen bestätigte. Jeder der beiden über ein Kabel miteinander verbundenen Ohrstecker ist geschlagene drei Zentimeter lang und ragt horizontal dementsprechend weit aus dem Ohr heraus. Dies führte dazu, dass ich mir beim Blick in den Spiegel mit SlimBuds im Ohr am Anfang tatsächlich ein wenig albern vorkam. Es brauchte seine Zeit, um mich an den etwas ungewöhnlichen Look der Bluetooth-Kopfhörer zu gewöhnen.

Auch die Ohreinsätze (so nennt Anker die an Haltegriffe erinnernde Bestandteile des Kopfhörers) sahen im täglichen Einsatz besser aus als ursprünglich erwartet. Sie fielen beim Tragen kaum auf und sorgten gleichzeitig dafür, dass die Ohrstecker auch beim Joggen in Position blieben. In meinem Fall passte die Standard-Konfiguration. Solltet ihr kleinere oder größere Ohren haben, liegen drei weitere Ohreinsätze und vier Paar Ohrstücke bei, die nach Belieben kombiniert werden können. Apropos beiliegen: Neben dem obligatorischen – wenn auch in diesem Fall sehr kurz geratenen – Micro-USB Kabel und einem beinahe sinnlosen Clip für die Kleidung findet ihr in der Verpackung zusätzlich eine kleine Transporttasche aus Stoff. Angesichts des Preises keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Dass die Tasche die SoundBuds im Falle eines Falles tatsächlich vor größerem Schaden schützen kann, wage ich zwar zu bezweifeln, das Gesamtbild wertet sie trotzdem etwas auf. In Zeiten, in denen selbst die Hersteller teurerer Geräte immer öfter am Zubehör sparen, ist eine beiliegende Tasche eine willkommene Abwechslung. Haben ist hier allemal besser als nicht haben.

Gleiches kann auch über das Inline-Bedienelement gesagt werden. Obwohl es für meinen Geschmack ein wenig zu groß geraten ist, erfüllt es doch einen praktischen Zweck. Oder, besser gesagt, vier praktische Zwecke. Mit den drei Tasten Leiser, Lauter und Play/Pause lässt sich die Musik steuern, hinter einer Gummi-Klappe verbirgt sich der Micro-USB Anschluss zum Laden und neben der Status-LED sitzt ein Mikrofon für Anrufe oder Videotelefonie. Ein längeres Drücken auf die Play/Pause Taste aktiviert zudem den Sprachassistenten des Smartphones. Ohne das Display zu aktivieren, geben einem Siri oder der Google Assistent die gewünschten Informationen direkt ins Ohr – vorausgesetzt, sie scheitern nicht an der Fragestellung.

Solide Verarbeitung mit leichten Schwächen

All diese Features sind zwar nett und erfüllen im großen und ganzen ihre Funktion, bringen jedoch ein paar angesichts des Preises erwartbare Schwächen mit. Die Tasten lösen die gewünschte Aktion erst mit merkbarer Verzögerung aus, das Mikrofon bewegt sich ungefähr auf dem klanglichen Niveau eines Dosentelefons und auch die Klappe vor dem USB-Anschluss sieht nicht so aus, als würde sie eine etwas rabiatere Behandlung unbeschadet überstehen. Zwar lassen sich nach zwei Wochen im Einsatz an meinem Modell noch keine Abnutzungserscheinungen feststellen – wirklich stabil wirkt der Gummi-Streifen jedoch nicht. Dies ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Klappe eine wichtige Eigenschaft des Kopfhörers erst ermöglicht. Die SoundBuds Slim sind nach IP4X-Zertifizierung gegen Spritzwasser geschützt. Ohne die Klappe vor dem USB-Anschluss würde ich die Kopfhörer also eher nicht mehr im Regen oder während einer schweißtreibenden Traningseinheit nutzen.

Von der Gummi-Klappe abgesehen fühlen sich die SoundBuds in der Hand wie im Ohr jedoch solide an. Die verbauten Materialien garantieren zwar wahrscheinlich keine langjährige Haltbarkeit, wirken aber auch nicht billig. Vor allem das aus Aluminium bestehende Gehäuse der Ohrstecker muss sich in Sachen Verarbeitungsqualität nicht hinter der teilweise deutlich teureren Konkurrenz verstecken. Dank der austauschbaren Ohreinsätze und Ohrstecker sitzen die Bluetooth-Kopfhörer bequem im Ohr. Auch nach mehreren Stunden im Dauereinsatz fingen die SoundBuds nicht an, unangenehm zu werden – zumindest bei mir.

Länger als fünf bis sechs Stunden werdet ihr die Kopfhörer ohnehin nicht nutzen können. Trotz der vom Hersteller versprochenen sieben Stunden Spielzeit gingen ihnen bei meiner Nutzung – einer Mischung aus Podcasts und Musik auf mittlerer Lautstärke – spätestens ein paar Stunden vor Ende des Arbeitstages die Luft aus. Dies ist fairerweise allerdings ein Problem, unter dem die meisten Bluetooth-Kopfhörer leiden. Solange die Akkulaufzeit nicht das Niveau früherer Nokia-Knochen erreicht, wird dieser Nachteil gegenüber klassichen Modellen mit Klinkensteckern bestehen bleiben.

Gute Klangqualität

In Sachen Klangqualität scheint man sich bei Anker derweil auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeignet zu haben – und das ist keinesfalls so negativ gemeint, wie es auf den ersten Blick klingen mag. Die SoundBuds sind Allrounder, die alles ein bisschen beherrschen, ohne in einer Rubrik wirklich herauszuragen. Höhen und Mitteln siedeln sich im soliden Mittelfeld an, lediglich der Bass wirkt in einigen Fällen ein wenig kraftlos. Beinahe jedes Genre hört sich in der Folge mit den natürlich abgestimmten Kopfhörern zumindest okay an. Positiv fiel mir in der Testphase vor allem das geringe Grundrauschen auf: Für Podcasts oder Hörbücher eignen sich die SoundBuds so erstaunlich gut – auch, weil die Passform störende Umgebungsgeräusche zu einem gewissen Grad isoliert.

Angesichts des Preises von aktuell knapp zwanzig Euro ist es schwer, die Kopfhörer nicht zu empfehlen. Verarbeitungsqualität, Akkulaufzeit, Materialwahl und letztlich auch Klang – in allen für den Gelegenheitshörer wichtigen Kategorien sind die Bluetooth-Kopfhörer solide bis gut. Audiophile Menschen, die ihre Ohren in der Vergangenheit mit dem Sound hochwertiger Bose-Modelle verwöhnen konnten, werden mit den SoundBuds höchstwahrscheinlich nicht zufrieden sein. Wer den Einstieg in die Welt der Bluetooth-Kopfhörer wagen will, nach Alternativen sucht, die sich ohne Sorgen in die Sporttasche werfen lassen oder mit sehr kleinem Budget unterwegs ist – für den sind die SoundBuds Slim mehr als nur eine Überlegung wert.