NBA 2k18 für Android im Test!

ie NBA 2k18 App ist ohne Frage die kompletteste Basketball-Simulation auf mobilen Geräten – Mit Blick auf die Konkurrenz eine wenig überraschende Feststellung. Ebenso wie auf den Konsolen heißt der einzige ernstzunehmende Mitbewerber auch in den Stores von Apple und Google NBA Live. Mit seiner hinter FIFA und Madden mittlerweile nur noch dritterfolgreichsten Sport-Franchise geht Publisher EA hier allerdings einen anderen Weg als 2k. Anstatt ein komplettes Basketballspiel abzuliefern, setzt der Entwickler auf Free-to-Play und kurze Partien für Zwischendurch. Die Motivation entsteht hier nicht aus dem Ziel, die Liga zu gewinnen – sie entsteht vielmehr aus dem Aufbauen und Verbessern des eigenen Fantasy-Teams. EA ist es gelungen, die Erfolgsformel ihrer “Ultimate Team”-Spielmodi aus FIFA, Madden und NBA Live sehr erfolgreich in eigenständige Mobile Games einzusetzen. Allein im Google Play Store kommen die mobilen Ableger der drei Spielereihen so zusammengenommen auf rund 120 Millionen Downloads.

Beinahe wie ein Nischen-Game

NBA 2k18 – im Dezember 2017 nach langer Verzögerung endlich auch für Android veröffentlicht – wirkt im Vergleich dazu mit gerade einmal zehntausend heruntergeladenen Exemplaren wie ein besseres Nischen-Produkt. Es ist einfach, NBA 2k18 als schlechtes Spiel abzutun, legt es die Messlatte mit seinem Kaufpreis von 7,99 Euro doch wesentlich höher als die kostenlose Konkurrenz. Doch diese Herangehensweise würde dem Spiel nicht gerecht. NBA 2k18 hat ohne Frage Schwächen, die sich ein fast acht Euro teures Spiel auf mobilen Geräten nicht erlauben sollte. Auf der anderen Seite bietet das Spiel einen Einstieg in die Welt der Basketball-Simulationen – für gerade mal ein Sechstel des Kaufpreises. Für wen sich das Überspringen der trotzdem vergleichsweise hohen Einstiegshürde lohnen könnte, lest ihr in diesem Testbericht.

Obwohl sich auf den ersten Blick nicht allzu viel verändert hat, speilt sich NBA 2k18 deutlich runder als sein Vorgänger. Die Bewegungen der Akteure wirken flüssiger und realistsicher und auch die Anzahl der Animationen scheint sich vergrößert zu haben. Ob das fernöstliche Entwicklerstudio, das auch in diesem Jahr für den Port auf iOS und Android zuständig war, tatsächlich neue Animationen eingebaut hat oder sich die bereits vorhandenen lediglich öfter abwechseln, kann ich selbst nach beinahe einem Monat mit dem Spiel leider nicht mit letzter Sicherheit sagen. Zumindest bekam ich in den Testrunden einige Dunks, Pässe oder Crossover zu sehen, die ich in der ganzen Zeit mit dem Vorgänger nicht zu Gesicht bekommen hatte.

Was sich hingegen mit Sicherheit sagen lässt, ist, dass sich die Fähigkeiten der virtuellen Spieler an ihren realen Vorbildern orientieren. Schon seit Jahren wird die 2k-Reihe auf der Konsole in Testberichten eben hierfür gelobt. Und auch das Smartphone-Spiel macht keine Ausnahme. Natürlich kommt die Umsetzung auf dem kleinen Bildschirm bei weitem nicht an die Qualität der teureren Versionen heran. Unrealistisch steuern sich die Spieler in NBA 2k18 trotzdem nicht. Wie in der Realität macht ein Hassan Whiteside auch virtuell anderen Bigman das leben schwer, um dann an der Aufgabe zu scheitern, außerhalb der Zone einen Sprungwurf zu versenken. Dirk Nowitzki strahlt mit seinem guten Jumper hinter der Dreierlinie Gefahr aus, wird durch seine langsamen Bewegungen in der Defensive jedoch schnell zum Lieblingsziel flinkerer Gegenspieler. Und ein Jimmy Butler findet mit seinen herausragenden Driving-Fähigkeiten in der gegnerischen Verteidigung die Lücken, die ein Randy Foye nicht findet. Eben diese Ausnahmespieler – ein Butler, ein James, ein Curry oder ein Durant – werden mit ihren Fähigkeiten zu den entscheidenden Faktoren in vielen Partien. Natürlich ist dies auch in der Realität der Fall – der Unterschied ist, dass ein Gegenhalten mit gutem Team-Basketball in NBA 2k18 nahezu unmöglich ist.

Taktische Möglichkeiten eingeschränkt

Wie so häufig in mobilen Spielen ist die Steuerung auch hier auf ein Minimum reduziert worden, was sich vor allem auf die taktischen Möglichkeiten auswirkt. Von einem einfachen Pick-and-Roll abgesehen bietet NBA 2k18 keinerlei taktische Spielzüge, die die offensiven Bemühungen in geordnetere Bahnen lenken könnten. Angesichts der begrenzten Ressourcen, die dem mobilen Gamer zur Verfügung stehen, war diese Reduzierung sicherlich die richtige Entscheidung. Ganz ohne Nachteile kommt sie trotzdem nicht aus: Sich in der Offensive darauf verlassen zu müssen, dass sich die nicht immer so klugen CPU-Mitspieler von alleine korbbringend bewegen, ist vorsichtig formuliert nicht gerade optimal, lässt sich im Gegensatz zu den Auswirkungen auf die Defensive jedoch noch halbwegs verkraften. Dort wirken Spieler des öfteren so, als hätte ihnen im Laufe ihrer Karriere niemand die Vorteile des Verteidigens nähergebracht. So bewegen sie sich beispielsweise unaufgefordert von ihrem Mann weg, ohne dass man als Spieler entgegenwirken könnte. Offene Würfe und einfache Punkte für den Gegner sind die Folge.

Basketball hat sich in den Jahren seines Bestehens immer mehr zum Unterhaltungsangebot entwickelt. Ob man diese Entwicklung nun gut oder schlecht findet, bleibt jedem selbst überlassen. Fest steht jedoch, dass die Verpackung des Spiels inzwischen ebenso wichtig zu sein scheint wie das das Geschehen auf dem Parkett selbst. Übersetzt in die virtuelle Welt der Baskteballsimulationen bedeutet das: Ein Spiel muss sich nicht nur gut spielen lassen – es muss auch gut aussehen. Eine gute Präsentation ist die halbe Miete; und genau hier schneidet der Port für die mobilen Geräte durchschnittlich ab. Alle Screenshots in diesem Artikel zeigen das Spiel auf mittleren Grafikeinstellungen. Mehr war leider nicht möglich: Das leistungshungrige Spiel fraß meiner Hardware auf hohen Einstellungen die Haare vom Kopf. Doch auch so sieht das Spiel zumindest okay aus: Parkett, Arena, Trikots, und Seitenlinien machen alle einen soliden grafischen Eindruck – lediglich beim Publikum solltet ihr vielleicht nicht allzu genau hinsehen.

Die Mühe, die sich die Entwickler bei der Gestaltung der Spieler gegeben haben, scheint derweil vor allem von dessen Bekanntheitsgrad abzuhängen. Stars wie Lebron James, Kevin Durant oder Kyrie Irving sehen ihren realen Vorbildern vor allem auf hohen Grafikeinstellungen erstaunlich ähnlich. Auch die Abbilder der zweiten Garde können sich sehen lassen. Umso unverständlicher ist es, dass einige Spieler noch immer keinen individuellen Avatar haben. Schon im letzten Jahr waren zu viele von ihnen in 2k17 vertreten – in diesem Jahr scheint das Problem noch größer geworden zu sein. Alle diese Spieler sehen im Gesicht gleich aus, tragen alle die gleiche modische Glatze und unterscheiden sich lediglich in Hautfarbe und Größe. Würde diese Nachlässigkeit nur Spieler aus der zweiten Reihe betreffen, wäre sie immer noch nicht gut, aber zumindest zu verkraften. Leider betrifft sie viele Spieler unterschiedlichen Bekanntheitsgrades, die in ihrem jeweiligen Teams eine große Rolle spielen. Offenbar bliebt im Entwicklungsstress keine Zeit mehr, um dem Fakt genüge zu tragen, dass der letztjährige Rookie des Jahres, Malcolm Brogdon, weder weiß ist noch eine Glatze trägt. Dieses Problem schadet nicht nur der Authentizität, sondern wertet das ganze Spielerlebnis ab. Auch die regelmäßig auftretenden Bugs, die ein Spiel zum Hängenbleiben bringen, sind ärgerlich.

Soundgestaltung als große Schwäche

Auch die Soundgestaltung gehört zu den großen Schwachpunkten des Spiels. Die Geräusche des Publikums verkommen zu einem anstrengenden Hintergrundrauschen, anstatt die Stimmung in den Arenen der besten Basketballliga der Welt adäquat darzustellen. Länger als fünf Minuten lässt sich die Geräuschkulisse des Spiels in der Folge kaum aushalten. Auch das Kommenatorenduo versucht sein Bestes, um das auditive Erlebnis des Spiels zu einem möglichst Grausamen zu machen. Nur selten geht das Gesagte über die Ansage der Spielernamen und das Kommentieren des Offensichtlichen hinaus. Kurz gesagt: Sie bieten keinen Mehrwert. Hinzu kommen unerklärliche Bugs. Hin und wieder sind die Kommentatoren ein ganzes Viertel lang ruhig, um kurz vor Ende des Spielabschnitts alle Aktionen des Viertels hintereinander zu kommentieren – auch ein Problem, dass sich NBA 2k18 mit seinem Vorgänger teilt.

Auch in NBA 2k18 ist der MyCarrer getaufte Karrieremodus als einer von insgesamt vier Spielmodi zurück im Spiel. Was im Google Playstore mit einem “erweiterten Skript” und “mehr Interaktion” beworben wird, ist in Wirklichkeit nicht mehr als ein neuer Fassadenanstrich. Er macht aus einem alten Gebäude kein Neues, lässt dies aber zumindest anders aussehen. Zu den wenigen Elementen, die sich gegenüber dem Vorjahr verändert haben, zählt die Vorgeschichte, die den Spieler in die NBA bringt. Anstatt ein College auszuwählen und durch gute Leistungen die eigene Draftposition zu verbessern, kommt der Spieler in diesem Jahr auf einem deutlich ungewöhnlicheren Weg in die Liga. Als Akteur einer kleinen Uni bleibt er in der jährlichen Talentauswahl unberücksichtigt und hält sich in einem 3 gegen 3 Turnier fit. Dort wird er von einem Scout entdeckt, der ihm prompt zum Probetraining einlädt. Eine Trainingseinheit und zwei Vorbereitungsspiele später wird der Spieler zwar nicht unter Vertrag genommen, kann aber immerhin zwischen vier anderen Clubs wählen. Es ist der Auftakt in einen Spielmodus, der sich vielen klassischen Rollenspiel-Elementen bedient.

Verbesserte Spielmodi

Der MyPlayer muss sich am Anfang mit wenigen Minuten von der Bank begnügen, steigt durch einen Mischung aus Glück und guten Leistungen in der Rotation des Trainers. Durch erfolgreiche Spiele verdient er zudem die virtuelle Währung VC, die im Store gegen Aufbesserungen der Fähigkeiten eingetauscht werden können. Dieses in unzähligen RPGs zum Einsatz kommende und entsprechend etablierte Progressionsmodell sorgt für längerfristige Motivation, dürfte Veteranen dieses Spielmodus jedoch mehr als nur ein wenig bekannt vorkommen. Nach der oben erwähnten Einleitung hören die narrativen Elemente dieses Spielmodus de facto auf zu existieren – und die Karriere spielt sich exakt so wie in den Jahren zuvor auch.

Der Association-Modus ist mehr als nur ein neuer Anstrich eines alten Konzepts. Er ist die erste mobile Umsetzung dessen, was auf der Konsole und dem PC unter dem Namen MyLeague erfolgreich ist – und eine Weiterentwicklung des Saison-Modus aus dem Vorjahr. Konnte man im Vorgänger lediglich ein Team übernehmen und alle 82 Saisonspiele zuzüglich eventueller Playoffs absolvieren, gewann der Spielmodus in diesem Jahr deutlich an Tiefe. Anstatt nach einem Jahr zu enden, kann sich die Karriere als General Manager in NBA 2k18 über mehrere Saisons erstrecken. Dazu gibt es wesentlich mehr Optionen. Je nach Präferenz kann alles von Trades über das Scouting von Nachwuchsspielern bis hin zu Verpflichtungen in der Free Agency entweder selber übernommen oder an die CPU abgegeben werden. Diese Herangehensweise ist der optimale Kompromiss: Wer einfach nur spielen möchte, kommt ebenso auf seine Kosten wie derjenige, der lieber jeden Bereich einer modernen NBA-Franchise kontrolliert. Im Association-Modus ist es os möglich, ein ursprünglich schlechtes Team über mehrere Saisons aufzubauen oder aus einer guten Mannschaft einen echten Titelaspiranten zu formen. Gegenüber dem Vorjahr gewann dieser Modus so deutlich an Tiefe und wurde zu dem Modus, der mich über den längsten Zeitraum hinweg unterhalten konnte.

Fazit

NBA 2k18 ist kein Spiel für Zwischendurch. Nicht wenige ziehen das Smartphone vor allem dann aus der Tasche, wenn es wieder einmal fünf Minuten zum Überbrücken gibt. Solltet ihr zu dieser Fraktion gehören, ist der neuste Ableger der 2k-Reihe sicher nichts für euch. Mit den standardmäßigen Einstellungen (sechs Minuten Spielzeit pro Viertel) kann ein Spiel schon einmal eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. Wer sich die Zeit nimmt, bekommt eine insgesamt ordentliche Basketballsimulation geboten. Natürlich kommt sie in Sachen Qualität bei weitem nicht an die Versionen für die Konsolen oder den PC heran. Trotzdem ist die Spielereihe auch in diesem Jahr die realistischere der beiden großen Baketball-Games für mobile Geräte. Während NBA Live mobile mit einem arcadigeren Spielerlebnis zu punkten versucht, setzt NBA 2k18 eher auf Realismus. Die Spieler fühlen sich so an, wie man es erwarten würde, die Animationen tauchen in größerer Variation auf – und insgesamt fühlt sich das Spiel spürbar runder an als der Vorgänger.

Auf der anderen Seite bringt NBA 2k18 einige Schwächen mit, die angesichts des Preises schlicht unverständlich sind. Die eingeschränkten taktischen Möglichkeiten sind zu verkraften – die katastrophale Soundgestaltung ist es nicht. Wieso das Publikum zu einem unangenehmen Rauschen verkommt und die Kommentatoren auch im zweiten Jahr in Folge schlicht verbuggt sind, erschließt sich mir nicht. Ebenso unerklärlich sind die regelmäßig auftretenden Fehler, die das Spiel an bestimmten Stellen zum Hängen bringen. Es sind die Momente, an denen das Spiel billig produziert wirkt. Und das ist schade – Auch wenn es nur ein Mobile Game ist.

NBA 2K18
NBA 2K18
Entwickler: 2K
Preis: 8,99 €+
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁